Beim Kauf eines neuen Geräts kommt die Frage fast immer. Ob Sie das teure Stück nicht lieber absichern möchten, gegen Sturz, Bruch und Wasser, für ein paar Euro im Monat. Die meisten Menschen zögern kurz und sagen dann ja, weil es vernünftig klingt.
Nur rechnet es sich in den seltensten Fällen.
Warum sich eine Police fürs Handy selten rechnet
Die Verbraucherzentrale ist in diesem Punkt ungewöhnlich deutlich. Sie bezeichnet Geräteversicherungen für Smartphones und Tablets als teuer und in vielen Fällen überflüssig, weil die Beiträge hoch sind und die Policen im Schadensfall oft gar nicht greifen. Ein gesprungenes Display lasse sich häufig für weniger reparieren, als Sie im Jahr an Beitrag überweisen.
Die Stiftung Warentest sieht es ähnlich. Sie zählt die Handyversicherung nicht zu den wichtigen Versicherungen und ordnet sie als Wohlfühlprodukt ein, das man abschließen kann, aber nicht muss. Ein kaputtes Display koste zwar schnell über hundert Euro, doch finanziell bleibe der Schaden überschaubar. Vom zusätzlich buchbaren Diebstahlschutz raten die Tester sogar ausdrücklich ab, weil die Bedingungen im Kleingedruckten so eng gefasst sind, dass nach einem gewöhnlichen Diebstahl häufig nichts gezahlt wird.
Nach zwei Jahren zahlt die Versicherung nur noch einen Bruchteil

Der entscheidende Punkt steckt aber woanders, nämlich im Zeitwert. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat das an einem konkreten Tarif durchgerechnet. Dort liegt der Zeitwert in den ersten sechs Monaten bei hundert Prozent und fällt danach alle sechs Monate um weitere zehn Prozent. Ihr Beitrag bleibt derweil gleich.
Rechnen Sie das einmal durch. Ein Spitzenmodell aus dem Herbst 2024 ist heute knapp zwei Jahre alt, und nach dieser Logik sind damit bereits rund vierzig Prozent der möglichen Erstattung verschwunden. Der Selbstbehalt kommt obendrauf. Sie zahlen also weiterhin den vollen Monatsbeitrag für eine Leistung, die still und leise immer kleiner wird.
Eine Schale funktioniert genau umgekehrt. Sie kostet einmal etwas und tut im vierten Jahr exakt dasselbe wie am ersten Tag. Es gibt inzwischen verschiedene Hüllen für das iPhone 16 Pro Max, vom dünnen Rahmen bis zur robusten Variante mit erhöhtem Rand, und keine davon interessiert sich dafür, wie alt Ihr Gerät gerade ist.
Der Selbstbehalt frisst den Rest
Dazu kommt, dass eine Police im Ernstfall längst nicht immer das tut, was Sie erwarten. Viele Verträge sehen eine Selbstbeteiligung vor, die bei einem überschaubaren Schaden einen erheblichen Teil der Rechnung ausmacht. Manche Anbieter ersetzen kein Geld für eine Reparatur, sondern stellen ein Ersatzgerät mit ähnlichem Leistungsumfang. Das muss nicht dasselbe Modell sein, das Sie vorher hatten.
Beim Diebstahl wird es noch unangenehmer. Die Stiftung Warentest verweist auf mehrere Gerichtsentscheidungen, in denen Versicherer nicht zahlen mussten. In einem Fall vor dem Landgericht Bremen wurde einer Kundin das Telefon aus der Jacke in einer Umkleidekabine gestohlen. Diebstahl war mitversichert, gezahlt wurde trotzdem nicht.
Ein sechs Jahre altes Gerät versichert Ihnen niemand mehr
Und je älter das Gerät, desto klarer wird die Sache. Nehmen Sie ein Pro-Modell aus dem Herbst 2020. Nach der Zeitwertlogik von oben bleibt davon nach fünf Jahren rechnerisch schlicht nichts mehr übrig. Kein Versicherer der Welt wird Ihnen dafür noch etwas Nennenswertes erstatten.
Nur funktioniert so ein Gerät ja weiterhin. Es telefoniert, es fotografiert, es lädt drahtlos, denn die Magnete für MagSafe sitzen seit genau dieser Generation im Gehäuse. Für viele Menschen reicht das vollkommen aus, und ein Ersatz für tausend Euro steht schlicht nicht zur Debatte. Umso ärgerlicher wäre es, wenn ausgerechnet jetzt das Display bricht und die Reparatur den Restwert übersteigt. Wer sein iPhone 12 Pro mit einer Hülle schützen will, tut das also nicht mehr aus Sorge um den Wiederverkauf, sondern damit das Gerät die nächsten Jahre noch mitmacht.
Am Ende läuft es auf eine einfache Frage hinaus. Sie können monatlich für eine Absicherung zahlen, die mit jedem halben Jahr weniger wert wird. Oder Sie geben einmal einen kleinen Betrag aus für etwas, dem das Alter Ihres Geräts völlig gleichgültig ist.


