Dr. Martin Emrich zählt zu den bekanntesten Organisationsentwicklern im deutschsprachigen Raum. Als promovierter Diplompsychologe begleitet er seit fast drei Jahrzehnten Führungskräfte dabei, Verantwortung neu zu denken, Teams wirksam zu stärken und sich selbst als Führungspersönlichkeit konsequent weiterzuentwickeln.
Im Interview mit Baden1 spricht Dr. Martin Emrich darüber, warum exzellente Führung dort beginnt, wo Kontrolle endet, welche Denkfehler Veränderung blockieren und weshalb emotionale Intelligenz und Coaching-Skills zu den entscheidenden Kompetenzen moderner Führung gehören.
Interview mit Dr. Martin Emrich

Herr Dr. Emrich, was unterscheidet exzellente Führungspersönlichkeiten wirklich von guten Führungskräften?
Gute Führungskräfte erkennt man daran, dass der Laden läuft, wenn sie da sind. Exzellente Führungskräfte erkennt man daran, dass der Laden auch dann läuft, wenn sie nicht da sind.
Das bedeutet, sie haben das eigene Team so aufgestellt und ihre Mitarbeiter*innen so „empowered“, dass die Organisation auch ohne das permanente (Mikro-)Management des „Chefs“ funktioniert. Zusammengefasst:
Take yourself out of the equation!
Welche Denkfehler blockieren Veränderung in Unternehmen am nachhaltigsten?
Der größte Denkfehler, speziell bei Führungskräften, ist erstens: „Ich bin hier unersetzlich!“, dicht gefolgt von „Ohne mich läuft hier nichts!“
Ersetzen sollte man solche Gedanken durch diesen hier: „Jeder hier leistet einen kleinen Beitrag, damit das große Ganze gelingt!“
Warum scheitern Feedbackkultur und Konfliktklärung in der Praxis so häufig?
Wir sind zu wenig konfliktfähig. Das bedeutet, wir sind zu faul und zu feige, um anderen Menschen offen zu sagen, was wir wirklich empfinden, was wir benötigen und was wir uns von ihnen wünschen. Abhilfe schafft die sogenannte „gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg, die ich in vielen meiner Führungskräfte-Workshops unterrichte.
Hier lernen die Teilnehmer*innen, Feedback in 4 Schritten zu geben:
- Was habe ich beobachtet?
- Was habe ich dabei gefühlt?
- Was ist mein Bedürfnis?
- Was wünsche ich mir von Dir…?
Dr. Martin Emrich: Wie Führung wirkt wenn Kontrolle endet

Was macht Persönlichkeit aus Ihrer Sicht messbar entwickelbar?
Die Entwicklung der Persönlichkeit einen Führungskraft lässt sich ganz gut daran ablesen, wie sich ihr 360°-Grad-Feedback entwickelt. Beim 360°-Grad-Feedback ermitteln wir die Fremdwahrnehmung einer Führungskraft durch die anonymisierte Befragung aller Mitarbeiter im Unternehmen, die mit dieser „Zielperson“ zu tun haben.
Dadurch, dass das anonym ist, sind die Feedbackgeber in der Lage, offen und ehrlich ihre Meinung bezüglich des Führungsstils und auch der Persönlichkeitsentwicklung des Feedbackempfängers auszudrücken – quantitativ und qualitativ.
Welche Kompetenzen werden in der Führung der nächsten Jahre entscheidend sein?
Die souveräne „Jonglage“ (siehe Foto) von Management-Kompetenzen, Leadership-Kompetenzen und Coaching-Skills. Die Coaching-Fähigkeiten werden dabei immer wichtiger.
Hier brauchen Führungskräfte besonders emotionale Intelligenz. Das ist die Fähigkeit, eigene Gefühle und die Gefühle anderer adäquat wahrzunehmen und positiv zu beeinflussen.
Welche zentrale Erkenntnis möchten Sie Entscheidern gerne mitgeben und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Arbeite an Deiner Selbstreflexionsfähigkeit und an Deiner Perspektivwechselfähigkeit! Gerne unterstütze ich Dich und Deine Organisation dabei mit meinen Einzelcoachings, Vorträgen oder Workshops. Ich bin erreichbar unter emrich@emrich-consulting.de oder meine Webseite.
Über Dr. Emrich
Dr. rer. nat. Martin Emrich ist ein promovierter Diplompsychologe und Organisationsentwickler. Weltweit arbeitet er in fünf verschiedenen Sprachen mit Führungskräften und begleitet sie in Veränderungsprozessen. Ab April 2026 hat Dr. Emrich einen Lehrauftrag zum Thema „Diversity, Equity and Inclusion im organisationalen Kontext“ an der Universität Tübingen. 2026 ist das 30-jährige Jubiläum seiner Beratungsfirma EMRICH Consulting … improving people!


