Monique Le Large begleitet seit vielen Jahren Menschen, die ihre Selbstheilungskräfte neu entdecken möchten. Ihre Arbeit verbindet Körperweisheit, emotionale Befreiung und den respektvollen Blick auf verborgene Anteile der Persönlichkeit. Was sie antreibt ist die Überzeugung, dass Heilung dort entsteht, wo wir wieder lernen, unserer eigenen inneren Stimme zu vertrauen.
Im Gespräch erzählt Monique Le Large, warum die Tarapie® daraus entstanden ist, weshalb Diagnosen oft in die Ohnmacht führen und wie Körperwahrnehmung zum wichtigsten Kompass für innere Wandlung wird. Das Interview zeigt einen therapeutischen Ansatz, der menschlich, mutig und tief wirksam ist.
Monique Le Large im Interview

Wie beschreiben Sie Selbstheilungskraft und weshalb steht sie bei Ihnen im Fokus?
Ich möchte dazu gerne eine persönliche Geschichte erzählen:
Es ist im Juli 2014, ich bin auf Bali, ganz im Norden in einem Retreat Zentrum namens Gaia Oasis, ein wunderbar friedlicher Ort, direkt am Meer mit angenehm warmem Wasser, achtsamen Menschen, eine wahrhaftige Naturoase voller Vögel und duftenden exotischen Blumen.
Ich befinde mich in einem großen Saal, im Kreis mit 30 anderen Teilnehmern, alle auf Yogakissen sitzend. Die Luft ist warm, doch durch die balinesische Bauweise ist der Raum angenehm belüftet. Allerdings lässt diese offene Architektur auch Tiere hinein, so auch einen recht großen Gecko. Er sitzt oben an der Wand und ruft siebenmal.
Ein heiliger Ruf, sagen die Menschen dort. Während Räucherstäbchenduft den Raum erfüllt, blicke ich auf meine nackten Füße und spüre erneut die starken Bauchschmerzen, von denen ich schon morgens in der ersten Runde berichtet hatte.
Meine Vorgeschichte: Ich habe eine Veränderung am Muttermund, ein PAP 3d, die als Krebsvorstufe gilt. Über 2 Jahre habe ich Unterstützung und Therapien erhalten, doch nichts veränderte sich, daraufhin folgte ich dem inneren Ruf – zu einem Seelenretreat nach Bali.
Und so sitze ich hier, am 6. Tag des Retreats, mit meiner Übelkeit und spüre die Spannung in der Luft. Der Seminarleiter Lex van Someren schaut in die Runde, blickt mich an, deutet auf mich und sagt: „Jetzt bist du dran“. Mit Herzklopfen trete ich in den Kreis. Er nimmt meine Hände – während seine Assistentin Katja mir das Sakralchakra am unteren Rücken massiert und meint: „Und nun lässt du sie raus, deine Wut.“ Das muss er mehrmals sagen, mit ganz viel Kraft in den Armen, bis sie sich schließlich erlöst – laut, mächtig, erschütternd, ein nicht enden wollender Schrei.
Die anderen Teilnehmer sehen mich mit weit geöffneten Augen an. Diese Energie, die mit der Wut im Raum steht, hat mir niemand zugetraut, am allerwenigsten ich selbst. Mein Leben lang war ich brav und angepasst, scheinbar zufrieden.
Denn Wut war in mir tabuisiert, tief verdrängt, von mir selbst kaum wahrgenommen, bis mich meine Körperweisheit darauf hingewiesen hat. Mit Erfolg. Die Wut war raus, ich war verändert, kraftvoller, mehr bei mir, die Bauchschmerzen waren wie weggeblasen und die Veränderung am Muttermund begann sich zurückzubilden: Zwei Monate später zeigte die Kontrolle einen Wert von 1a mit Sternchen.
„Verwandle deine Wunden in Weisheit“
Oprah Winfrey
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, was der Körper vermag. Uns fehlt oft das Vertrauen, dass er genauso, wie er erkranken, auch wieder gesunden kann, wenn wir bereit sind, uns für unsere inneren Prozesse zu öffnen.
Unterdrückte Emotionen binden Lebensenergie. Wenn sie würdevoll Raum bekommen, setzt sich diese frei und das System kann sich neu ordnen. Selbstheilung ist die Rückkehr zur inneren Autorität. Sie entfaltet sich, wenn wir vom Reparieren ins Lauschen wechseln und dem inneren Rhythmus folgen.
Wie entstand die Tarapie® und worin liegt ihr Unterschied zu klassischen Ansätzen?
Eine sehr wertvolle Frage. Die Tarapie® ist aus über 3 Jahrzehnten Erfahrung gewachsen, aus meinem eigenen Weg und vor allem aus dem aufmerksamen Zuhören meiner PatientInnen.
Dabei habe ich erkannt, dass wir Menschen aufgrund der Scham in uns oft wichtige Persönlichkeitsanteile abspalten. Über Generationen hinweg, geprägt vom Patriarchat und später von der Emanzipation, fehlt es an tiefer Wertschätzung sowohl für unsere weiblichen als auch für unsere männlichen Qualitäten.
Frauen verbergen ihr zyklisches Wesen, ihren Körper oder Teile davon, ihre Intuition und ihre Heilkraft, ebenso Gefühle wie Wut, Neid, Misstrauen und Eifersucht, die gesellschaftlich wenig Raum bekommen. Auch fällt ihnen der Zugang zu ihrer inneren Weisheit oft schwer. Der Kopf hat die Führung übernommen, er ist der Part, der scheinbar Sicherheit gibt.
Auch den Männern geht es ähnlich: Scham entsteht dort, wo ihre inneren Qualitäten nicht mit den kulturellen Erwartungen an „Männlichkeit“ übereinstimmen.
Die Tarapie® setzt genau hier an. Sie stärkt innere Würde, Selbstbewusstsein und Selbstwert, indem alle Persönlichkeitsanteile eingeladen werden, ihren Platz einzunehmen – in der inneren Tafelrunde.
„Wut weist oft auf ein Bedürfnis oder eine Grenze hin, die wir überschritten haben, und hilft uns, uns selbst besser zu verstehen.“
Bayu Prihandito
So wird Wut zur Abgrenzungsfähigkeit oder Neid zum Türöffner für unbewusste Wünsche und es entsteht ein lebendiger, heilender Dialog zwischen den verschiedenen Kräften in uns, der über klassische Methoden hinausgeht und den Menschen in seiner Ganzheit würdigt.
Mit der Bewusstwerdung dieser individuellen Prozesse beginnt schon die Heilarbeit in der betroffenen Person, die Selbstheilungkräfte setzen sich in Bewegung, jetzt gilt es, diese Kräfte über eine liebevolle Begleitung zu unterstützen. Die Tarapie® macht genau dies: Bewusstwerdung und liebevolle Begleitung mittels Gesprächsführung und Achtsamkeit.
Wie begleiten Sie Menschen nach einer Diagnose zurück in innere Stärke?
Ja, das passiert sehr häufig: Eine Diagnose raubt Menschen das Gefühl von Handlungsfähigkeit und so machen sie sich auf die Suche nach einem Retter – dem Arzt, der Heilpraktikerin, dem Therapeuten – der ihnen sagt, was jetzt zu tun ist. In diesem Moment geben sie ihre Macht ab und verlieren den Zugang zu ihrer eigenen Kraft.
Ohnmacht ist für die Selbstheilung kontraproduktiv. Ich beobachte, dass in jedem Menschen eine eigene, lebendige Weisheit steckt, die oft in eine ganz andere Richtung geht, als mein Verstand das zuvor gedacht hat.
Wenn ich als Therapeutin berate und damit Ratschläge gebe, lenke ich von dieser Weisheit ab. Als Behandlerin ist meine Aufgabe also nicht, Lösungen zu liefern, sondern diesen inneren Kompass in meinem Gegenüber wieder spürbar zu machen. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit, die mich nicht selten ehrfürchtig niederknien lässt. So wie ich damals genau gewusst habe, dass die Reise nach Bali mich weiterbringt, weiß auch ein Teil im Patienten, welcher Weg für ihn der Richtige ist. Ich arbeite mit Spiegelung und präzisen Fragen, die den Klienten zurück zu seiner Erfahrung, seiner Entscheidungskraft und seinem Selbstvertrauen führen.
Wir Tarapeuten® – dieser Begriff setzt sich zusammen aus Tara – die Göttin, die aus den Verstrickungen der Welt hinausführt und Therapeut- begegnen unseren Patientinnen und Patienten im Bewusstsein, dass uns ein einzigartiges Wesen gegenübertritt, wir spiegeln diese Einzigartigkeit durch unsere Haltung wider. Vieles ist vergessen worden: Menschen fühlen sich klein, ungenügend und wertlos, insbesondere dann, wenn der Körper Symptome zeigt, die sie nicht kontrollieren können.
Wir sehen das Licht, was hinter alten Glaubenssätzen, Minderwertigkeitsgefühlen, Ängsten und Scham verborgen liegt und geben behutsam Hilfestellung, damit die innewohnende Größe jedes Menschen wieder in dessen Bewusstsein rückt.
Monique Le Large und ihr Blick auf Wut als Wegweiser

Wie nutzen Sie Körperwahrnehmung im Prozess und welche Veränderungen zeigen sich häufig?
Der Körper ist nicht unser Gegenspieler, wie es sich beim Auftreten einer Erkrankung oft anfühlt, sondern ein unterstützender Wegweiser. Über seine Wahrnehmungen treten wir in Kontakt zu dem, was geheilt werden möchte und spüren, was Aufmerksamkeit und Korrektur braucht.
Studien zeigen, dass über 80% unseres Handelns unbewusst gesteuert wird, der Körper hilft uns, diese verborgenen Glaubenssätze und Gefühle ins Bewusstsein zu holen, wenn wir bereit sind, hinzuhören. Diesen Zugang macht die Tarapie® nutzbar und begleitet Menschen dabei, Körperwahrnehmungen als kraftvolle Ressource für innere Wandlung zu entdecken.
Wie kombinieren Sie Homöopathie, Heilenergien und systemische Elemente im Einzelfall?
Es darf alles einfließen, ich richte mich nach dem Bedürfnis und Tempo meiner Klientinnen und Klienten. Manche möchten zunächst homöopathische Begleitung, andere öffnen sich für Heilenergien und systemische Interventionen.
In der Sitzung zeigt sich meist organisch, was jetzt stimmig ist: Sobald die Person wieder mit ihrer inneren Weisheit verbunden ist, wird der passende Weg sichtbar und wir entschieden gemeinsam, welche Methoden einfließen dürfen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Therapie und welchen Beitrag leistet Ihre Arbeit?
Ich wünsche mir, dass wir uns als Gemeinschaft wieder an die Urkräfte in uns erinnern – an das Männliche und das Weibliche in jedem Menschen. Wenn wir diese Anteile achten, kehrt Selbstwert zurück und mit ihr eine tiefere Liebe zu uns selbst, die nach außen hin ausstrahlt. Man sagt ja, Schönheit kommt von Innen.
Für die Gesundheit gilt dasselbe: Dauerhafte Heilung geht mit Bewusstseinsveränderung einher. Mein Beitrag dazu ist praktisch und nachhaltig: Ich bilde immer mehr Therapeutinnen aus in der Tarapie®, damit sie in ihren eigenen Kreisen wirken und dieses Wissen weitertragen.
Es erfüllt mich mit Freude und Vertrauen zu sehen, dass ich nicht allein bin – viele Menschen erheben sich jetzt, handeln bewusst und schaffen so gemeinsam die Grundlage für eine neue lebendigere Erde.
Über Monique Le Large
Mein Interesse an Medizin begann früh – doch prägende Erfahrungen im Krankenhaus lenkten mich auf einen anderen Pfad: die stille, zugewandte Kunst der Alternativmedizin. Seither gleicht mein Leben einer Forschungsreise ins Mysterium von Krankheit und Gesundung. Was ich dort entdecke, trage ich weiter, als Therapie, als Ausbildung oder als gelebte Einladung, Heilwissen in sich selbst zu finden.
Seit über 3 Jahrzehnten praktiziere ich als Heilpraktikerin, inzwischen in Bad Herrenalb, unter dem Falkenfelsen. Die Kraft dieses Ortes unterstützt meine Arbeit als Heilerin, Homöopathin, Hypnotiseurin und Systemikerin.


