Michael Ryba kennt Unsicherheit nicht nur aus Transformationsprojekten, sondern aus Extremsituationen unter Wasser. Als ehemaliger Projektmanager, Unternehmensberater und leidenschaftlicher Höhlentaucher weiß er, was passiert, wenn Kontrolle zur Illusion wird und Entscheidungen trotzdem getroffen werden müssen. Genau diese Erfahrungen prägen heute seine Arbeit als Speaker für Führung, Transformation und Komplexität.
Im Interview mit Baden1 spricht Michael Ryba darüber, warum Projekte selten an Methoden scheitern, weshalb Transparenz über Unsicherheit ein Zeichen von Professionalität ist und was Unternehmen von Extremerfahrungen wie dem Höhlentauchen lernen können. Ein Gespräch über Haltung, Klarheit und Menschlichkeit in Zeiten, in denen einfache Antworten nicht mehr tragen.
Interview mit Michael Ryba

Herr Ryba, was hat Sie geprägt auf Ihrem Weg vom Projektmanager zum Speaker?
Geprägt hat mich vor allem die Erfahrung, dass Projekte nur selten an Methoden scheitern. Als Unternehmensberater und später als Projektmanager habe ich viele komplexe Transformationsprojekte begleitet – oft technisch anspruchsvoll, organisatorisch herausfordernd und emotional belastend. Im Laufe meiner Arbeit wurde mir klar: Die eigentliche Arbeit findet nicht in Projektplänen statt, sondern im Umgang mit Unsicherheit, Erwartungsdruck und Widersprüchen.
Parallel dazu ist das Tauchen und insbesondere das Höhlentauchen ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Dort unten gibt es keine Illusion von Kontrolle, eine Höhle ist immer ehrlich. Man kann nichts beschleunigen, nichts improvisieren, nichts „wegmoderieren“. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Führung und Projekte stark verändert. Ich habe begonnen, diese beiden Welten zusammenzudenken und gemerkt, dass viele Führungskräfte genau nach dieser Verbindung suchen: Klarheit ohne Vereinfachung, Sicherheit ohne Scheinsicherheit.
Projekte scheitern selten an Methoden, sondern an Menschen, die unter Unsicherheit Entscheidungen treffen müssen.
Der Schritt zum Speaker war dann konsequent. Er gab mir die Möglichkeit, meine sehr unterschiedlichen Erfahrungswelten über und unter Wasser sinnvoll zu verbinden. Ich wollte nicht nur Lösungen umsetzen, sondern auch Denkmodelle anbieten, die Menschen und Organisationen helfen, in unsicheren Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Was macht erfolgreiche Arbeit in komplexen Projekten heute aus?
Erfolgreiche Projektarbeit bedeutet heute vor allem, Unsicherheit bewusst zu akzeptieren statt sie wegzuplanen. Viele Organisationen versuchen noch immer, Komplexität mit mehr Kontrolle zu beantworten: mehr Reports, mehr KPIs, mehr Eskalationen in Steuerkreisen. Das erzeugt oft das Gegenteil von dem, was man erreichen will.
In komplexen Projekten geht es weniger um perfekte Planung als um gute Orientierung. Erfolgreiche Teams, ob im Großraumbüro oder in der Unterwasserhöhle, zeichnen sich dadurch aus, dass sie gemeinsame mentale Modelle haben: ein klares Verständnis darüber, was gerade bekannt ist, was nicht bekannt ist und welche Annahmen getroffen werden. Transparenz über Unsicherheit ist dabei kein Risiko, sondern ein Qualitätsmerkmal professioneller Arbeit.
„Transparenz über Unsicherheit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.“ Hinzu kommt die Fähigkeit, Entscheidungen unter unvollständiger Information zu treffen und diese Entscheidungen regelmäßig zu überprüfen. Das erfordert Vertrauen, psychologische Sicherheit und eine Führung, die nicht vorgibt, alles zu wissen, sondern Verantwortung teilt.
Welche Rolle spielen Haltung und Nachhaltigkeit in moderner Unternehmensführung?
Haltung ist der unsichtbare Rahmen, in dem Entscheidungen entstehen. In Phasen der Unsicherheit zeigt sich sehr schnell, ob Nachhaltigkeit nur ein Schlagwort ist oder tatsächlich gelebt wird. Führungskräfte stehen dann vor der Frage: Optimiere ich kurzfristig oder halte ich Kurs, auch wenn es unbequem wird?
Nachhaltige Unternehmensführung bedeutet für mich nicht nur ökologische und ökonomische Verantwortung, sondern auch soziale und mentale Nachhaltigkeit. Wie gehen wir mit Überlastung um? Wie mit Fehlern? Wie mit Menschen, die in Veränderungsprozessen an ihre Grenzen kommen?
Eine klare Haltung schafft Orientierung gerade dann, wenn Regeln, Prozesse oder Strategien nicht mehr ausreichen. Diese Orientierung ist wichtig für das Überleben. Sie wirkt wie ein innerer Kompass, der hilft, auch unter Druck konsistente Entscheidungen zu treffen.
Michael Ryba über Führung in unsicheren Zeiten

Was können Unternehmen aus Extremerfahrungen wie dem Tauchen lernen?
Im Höhlentauchen ist eines zentral: Man bewegt sich in einer Umgebung, die nicht verzeiht. Sicherheit entsteht nicht durch Mut, sondern durch Vorbereitung, Disziplin und Demut. Vor jedem Tauchgang muss die Frage beantwortet werden: Was tun wir, wenn etwas schiefgeht?
Übertragen auf Unternehmen bedeutet das: Resilienz entsteht nicht durch Optimismus, sondern durch realistische Szenarien. Erfolgreiche Teams sprechen offen über Risiken, trainieren den Umgang mit Störungen und akzeptieren, dass nicht alles planbar ist. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Qualität von Entscheidungen unter Druck.
Beim Tauchen ist nicht entscheidend, wie schnell gehandelt wird, sondern wie klar. Jede Handlung folgt zuvor definierten und trainierten Prinzipien und klaren Prioritäten.
Genau das lässt sich auf Unternehmen übertragen:
In kritischen Situationen brauchen Teams Entscheidungslogiken, die auch unter Stress tragfähig bleiben. Wer weiß, nach welchen Kriterien entschieden wird und wer wofür Verantwortung trägt, kann auch in dynamischen Phasen handlungsfähig bleiben, ohne in blinden Aktionismus zu verfallen.
„Nicht Geschwindigkeit entscheidet über Sicherheit, sondern Klarheit in der Entscheidung.“ Ruhiges Denken, klare Kommunikation und bewusstes Innehalten sind zentrale Führungsqualitäten, gerade in Krisen.
Warum braucht Transformation neben Strategie auch Menschlichkeit?
Transformation ist immer auch ein emotionaler Prozess. Strategien beschreiben die Maßnahmenkombination, um ein langfristiges Ziel zu erreichen, aber Menschen erleben den Weg dorthin mit Sorgen, Ängsten und Widerständen. Wer das ignoriert, wird selbst die beste Strategie nicht erfolgreich umsetzen.
Menschlichkeit bedeutet nicht Nachgiebigkeit, sondern ernsthaftes Interesse an den Perspektiven der Beteiligten. Es geht darum, zuzuhören, Unsicherheiten anzusprechen und Räume zu schaffen, in denen Fragen erlaubt sind. Gerade in großen Transformationen entsteht sonst ein Gefühl von Kontrollverlust, das Produktivität und Engagement massiv beeinträchtigt.
Meine Erfahrung ist: Je technischer ein Projekt ist, desto wichtiger ist es, die menschliche Seite nicht zu vergessen. Transformation gelingt nur dort, wo Menschen das Gefühl haben, gesehen und ernst genommen zu werden.
Was möchten Sie den Menschen gerne mitgeben und wie können Interessierte mit Ihnen in Kontakt treten?
Ich möchte Menschen ermutigen, Unsicherheit nicht als persönlichen Mangel zu interpretieren, sondern als normalen Zustand in einer komplexen Welt. Niemand muss immer sicher sein, um wirksam zu handeln. Entscheidend ist, wie wir mit Nicht-Wissen umgehen.
Ob in Projekten, in Führung oder im persönlichen Leben: Klarheit entsteht nicht durch absolute Gewissheit, sondern durch bewusste Entscheidungen trotz Unsicherheit. Wer das akzeptiert, gewinnt innere Ruhe und Handlungsspielraum.
Interessierte können mich über meine Website sowie über berufliche Netzwerke wie LinkedIn erreichen. Dort teile ich gerne Impulse zu Projektmanagement, Führung in komplexen Systemen und dem Umgang mit Unsicherheit, nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus der Praxis.
Über Michael Ryba
Michael Ryba ist Projektmanager, Unternehmensberater und Speaker. Er begleitet seit vielen Jahren Unternehmen durch komplexe Transformations- und Veränderungsprozesse. Seine Arbeit verbindet Projektmanagement, Leadership und Erkenntnisse aus Extremerfahrungen wie dem Höhlentauchen mit einem klaren Fokus auf den professionellen Umgang mit Unsicherheit.


