Interviews

Steffi Zährl über Personal Branding ohne Verbiegen

Steffi Zährl hat viele Jahre alles richtig gemacht und sich trotzdem falsch gefühlt. Als selbständige Designerin arbeitete sie hart, passte sich an, bot zu viel an und verdiente zu wenig. Der Wendepunkt kam nicht in einem Strategie-Workshop, sondern bei der Planung ihrer eigenen Geburtstagsparty. Zum ersten Mal stellte sie sich nicht die Frage, was andere erwarten, sondern wer sie wirklich ist. Genau dort begann ihr Erfolg.

Heute sagt Steffi Zährl klar: Personal Branding beginnt nicht im Außen, sondern in der eigenen Identität. Nicht Logos, Zertifikate oder Marketingtricks machen sichtbar, sondern Klarheit, Haltung und Persönlichkeit. Im Interview spricht sie darüber, warum viele selbständige Frauen sich aus alten Mustern klein halten, was sich verändert, wenn die eigene Marke wirklich gelebt wird und weshalb echte Positionierung nichts mit Anpassung, sondern mit Selbsterforschung zu tun hat.

Steffi Zährl aus Filderstadt im Interview

Interview Steffi Zährl

Wann wurde Ihnen klar, dass Personal Branding von innen beginnt?

Kurz vor meinem 40. Geburtstag fiel bei mir der Groschen – bei der Planung meiner eigenen Geburtstagsparty.

Ich war damals seit vielen Jahren selbständig, gestartet als Wald-und-Wiesen-Grafikerin am Küchentisch. Mit einem bunten Bauchladen-Angebot, sehr unterschiedlichen Kunden und entsprechend mühsamem Alltag: viel Recherche für Angebote, mickrige Stundensätze, viele Nachtschichten.

Für diese Party habe ich zum ersten Mal nicht gefragt: Was erwarten die anderen?, sondern: Was will ich wirklich wirklich? – oder anders: Wer bin ich eigentlich, wenn ich niemand gefallen will?

Und genau mit dieser Fragestellung ist etwas Entscheidendes passiert.

Ich habe verstanden, dass nicht meine Zertifikate, meine Skills oder mein Logo mich unverwechselbar machen. Sondern das Gesamtpaket „Steffi“ – mit all meinen Eigenschaften, Gaben und Talenten. Mit meiner Art zu sprechen, zu schreiben und zu designen. Kurzum: mit meiner Energie.

Ich hab angefangen, mir die Nägel zu lackieren! Was das verändert hat, beschreibe ich in meinem Buch „Wie ich mit meiner Geburtstagsparty aus Versehen zur Marke wurde und warum mein Erfolg mit Nägellackieren anfing“.

Mir wurde klar, dass Erfolg nicht daraus entsteht, sich möglichst gut anzupassen, sondern daraus, sich selbst klar zu sein.

Erst als ich mich so sichtbar gemacht habe, wie ich wirklich bin, kam der Erfolg und mit MARKE LEBEN!® auch ein erfolgreiches Online-Business.

Seitdem bin ich überzeugt: Echtes Personal Branding beginnt immer von innen und jeder ist schon eine Marke per Geburt.

Warum fällt es vielen selbstständigen Frauen schwer, ihre Einzigartigkeit zu zeigen?

Weil viele nicht aus ihrer bewussten Entscheidung heraus handeln, sondern aus uralten Prägungen. Der Autopilot ist am Werk – nicht die erwachsene Frau, die so viel auf dem Kasten hat und so viel gewuppt hat.

Gerade wir Frauen der Generation X Ü40 sind damit aufgewachsen, uns anzupassen, Verantwortung zu übernehmen, nicht anzuecken. Diese Muster zeigen sich im Business wie durch ein Brennglas.

Einzigartigkeit zu zeigen bedeutet, diese inneren Prägungen und Programme zu hinterfragen. Sie abzukratzen, wie ne dicke Schicht olle Tapete, bis man zu seinem echten inneren Kern kommt. Das fühlt sich für viele erst einmal unsicher an – aber es lohnt sich und befreit ungemein!

Was verändert sich, wenn Frauen ihre Marke wirklich leben?

Dann wird Selbstwirksamkeit sichtbar. Verkörpert. Spürbar.

Eine gelebte Marke ist keine aufgesetzte Marketingstrategie, sondern Ausdruck innerer Wahrheit.

Frauen treffen Entscheidungen leichter, weil sie wissen:

Das passt zu mir und das nicht.

Das zeigt sich überall:

  1. Im Business (klare Angebote, klare Preise)
  2. Im Marketing (kein Verbiegen mehr)
  3. Im Alltag (keine FOMO-Käufe mehr, sondern intuitive Entscheidungen aus innerer Überzeugung und mit Freude)

Viele meiner Kundinnen sagen:

Ich stehe morgens wieder gern auf. Ich freue mich auf meine Arbeit. Und ich weiß endlich, wer ich bin.

Eine gelebte Marke bringt Klarheit – oder wie es mal eine Kundin ausgedrückt hat: „Eine gesunde Leck-mich-am-Arsch-Haltung“.

Und aus dieser Klarheit entstehen nicht nur unweigerlich Leichtigkeit und Lebensfreude, sondern vor allem Selbstbewusstsein! Und das macht ja bekanntlich sehr sexy (und ist das berühmte Sog-Marketing, von dem alle reden.)

Steffi Zährl bricht mit Marketingregeln

Zitat Steffi Zährl

Was macht für Sie eine stimmige Positionierung aus?

Eine stimmige Positionierung besteht für mich aus vier Bausteinen:

  • Identität/Expertise
  • Zielgruppe
  • Vehikel
  • Nutzen

Entscheidend ist dabei: Sie orientiert sich nicht an äußeren Kriterien wie „lukrativste Nische“ oder „zahlungskräftigste Zielgruppe“. Sondern an der ureigenen Lebensaufgabe.

Ich bin felsenfest überzeugt: Jeder Mensch kommt mit bestimmten Gaben, Talenten und einer körperlich-energetischen „Werkseinstellung“ auf die Welt und genau daraus entsteht das echte Alleinstellungsmerkmal:

Persönlichkeit + Expertise = Personenmarke

Wenn man das kennt, lässt sich daraus ganz leicht ein stimmiges Angebot und Geschäftsmodell entwickeln.

Welche innere Hürde begegnet Ihnen bei Ihren Kundinnen am häufigsten?

In meiner Arbeit mit vielen hundert Frauen hab ich diese fünf Hürden – ich nenne sie Muster – immer wieder erkannt:

Madame Kontroletti:
„Ich will erst wissen, ob es funktioniert.“
→ Sie kommt nicht ins Handeln, weil sie auf Sicherheit wartet, die es vorher nicht geben kann.

Miss Perfect:
„Ich muss noch etwas an mir optimieren, dann zeige ich mich.“
→ Sichtbarkeit wird ständig verschoben, obwohl Kompetenz längst da ist.

Lady Harmony:
„Hoffentlich trete ich niemandem auf den Schlips.“
→ Die Positionierung wird weichgespült, um bloß niemanden zu irritieren.

Super Woman:
„Ich kriege das schon alles alleine hin.“
→ Sie übernimmt zu viel, setzt keine Grenzen und verliert sich im Funktionieren.

Frau Bingarnichda:
„Was werden die anderen denken, wenn ich mich so zeige?“
→ Entscheidungen werden aus Angst vor Bewertung getroffen, nicht aus innerer Wahrheit.

Diese Hürden sind keine Schwächen, sondern erlernte Schutzmechanismen – sie stehen echter Klarheit und Selbstbestimmtheit aber oft im Weg.

Was möchten Sie Frauen gerne mitgeben und wie kann man Sie kontaktieren?

DU bist die beste Strategie. Und wenn du sie finden willst, musst du zuerst dich selbst finden.

Du bist schon eine Marke! Lass alles los, was nicht 111% zu dir gehört.

Ich möchte Frauen mitgeben, dass echte Positionierung nichts mit besserem Marketing zu tun hat, sondern mit Selbsterforschung. Mit der Bereitschaft, keine Kompromisse bei den eigenen Bedürfnissen, Werten und Zielen zu machen.

In meiner Arbeit verbinde ich unter anderem systemische Biografie-Arbeit, die ayurvedischen Doshas und moderne Coaching-Methoden aus NLP, um diese innere Klarheit sichtbar und übersetzbar zu machen – in ein Branding, das sich stimmig anfühlt und genau deshalb wirkt.

„Personal Branding ist nicht Selbstoptimierung – sondern Selbsterforschung. Dann kommen Erfolg und Sichtbarkeit ganz von alleine…“

Über Steffi Zährl

Steffi Zährl ist Personal-Branding-Expertin, systemischer Coach und Autorin. Seit 2018 begleitet sie selbständige Frauen dabei, ihr Business als Personenmarke aufzubauen – ohne sich für Marketingstrategien und Kunden zu verbiegen, die sich nicht stimmig anfühlen.

Sie ist studierte Marketing-Fachfrau, seit 20 Jahren selbständige Designerin, Mama eines Pubertiers, Flötistin, Einweckerin, Skifahrerin, Camperin, Stepptänzerin und Vorstand einer Blaskapelle.

 

Wer seine inneren Muster erkennen möchte und verstehen will, wo sie das eigene Business blockieren, findet auf der Website von Steffi Zährl vertiefende Impulse, Angebote und weiterführende Inhalte.

Dort teilt sie regelmäßig Gedanken zu Mindset, Marke und Marketing sowie Einblicke aus ihrer Arbeit.

Außerdem ist Steffi Zährl Autorin des Buches „Wie ich mit meiner Geburtstagsparty aus Versehen zur Marke wurde“, das im Bereich Marketing zum Amazon-Bestseller wurde.

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