Interviews

Daniel Wolff über Sexualität, Vertrauen und echte Nähe

Sexualität ist eines der persönlichsten Themen des Lebens und gleichzeitig eines der schwierigsten. Viele Menschen spüren Unsicherheiten, Erwartungen oder Scham, fühlen sich überfordert oder innerlich blockiert. Daniel Wolff begleitet sie genau in diesen Momenten. Seine Arbeit verbindet körperliche Präsenz, emotionale Tiefe und die Fähigkeit zuzuhören, bis jemand sich selbst wieder spürt.

In seinen Beratungen zeigt er, wie Vertrauen entsteht, wenn Neugier wieder Raum bekommt. Im Interview spricht Daniel Wolff darüber, wie Menschen den Zugang zu ihrer eigenen Sexualität finden, weshalb achtsame Berührung so viel verändert und weshalb der erste Schritt meist in der Wahrnehmung eines einzigen Gefühls beginnt.

Daniel Wolff aus Karlsruhe im Interview

Interview Daniel Wolff

Was hat Sie motiviert, Menschen bei Sexualität, Nähe und Partnerschaft zu begleiten?

Mich selbst erlebe ich als einen Menschen, der meistens direkt neugierig wird, wenn ihm jemand von sich erzählt. Wie andere gerne Bücher lesen, höre ich mir gerne Erfahrungen und Erlebnisse an – spüre mit, was jemand dabei empfindet.

Früher hatte ich das Glück, gute Zuhörer um mich herum gehabt zu haben. Damals wie heute fehlt bei vielen allerdings der Draht zum Fühlen. Also, Gefühle wahrzunehmen, während jemand spricht und sie zuzulassen. Über meine Arbeit und meine persönlichen Beziehungen bin ich ein großer Fan davon geworden, Gefühle wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Es ist so erleichternd, nichts runterdrücken zu müssen, Gefühlen zu lauschen und ganz von selbst dabei zu entspannen.

Ich durfte erkennen, dass Sexualität unglaublich nah mit der Neugier verbunden ist, den anderen kennenlernen zu wollen, zu lauschen und zu fühlen. Der oft tief verinnerlichte Zwang zu funktionieren kann sich Schicht um Schicht auflösen – die Gedanken von „ich kanns nicht, ich bin nicht gut genug, ich bin nicht schön genug“ verlieren ihre Schwere und ihre behindernde und einschränkende Macht.

Es ist eine persönliche Freude, das Leuchten meines Gegenübers zu sehen, wenn sich dessen Raum erweitert, das Gesicht zu pulsieren scheint und der Körper entspannt.

Wie unterstützen Sie Menschen dabei, Vertrauen in Körper und Sexualität zu entwickeln?

Ich sage gerne: Vertrauen in dir ist die Antwort auf deine Neugier.

Sobald es gelingt, z.B. Schmerzen, Unsicherheiten, Unwissen – und sogar Scham! – mit Neugier anzuschauen, entsteht Vertrauen. Das klingt zu einfach, zu banal, zu schön um wahr zu sein? Bloß die Neugier einschalten und schon entsteht Vertrauen?

Man betrachte kleine Kinder. Oder frühere Entdecker. Oder findige Forscher, Wissenschaftler. Oder Lehrer, die ihre Schüler mitreißen können. Oder Berater, bei denen für die Kunden ganze Räume neu sich entfalten können. Ihnen allen wohnt der Entdecker-Drang inne, welcher sie lauschen lässt und sie zum Handeln motiviert.

Vertrauen ist hier keine für sich stehende Sache, um die man ringen muss. Vielmehr ergibt es sich meistens im Nebenbei – ganz oft aus der Neugier selbst.

Meine Kunden lade ich dazu ein, ihre oft problem-bewusste Haltung um dieses Wissen-Wollen zu erweitern. Der Kontakt zu sich wird in den Vordergrund gestellt.

Die Klage: „Es ist schlimm, aber ich kann nicht sagen, was ich brauche. Und ich kann nicht nein sagen.“ darf neu angeschaut werden. Sie könnte, um die Neugier erweitert, neu formuliert werden und z.B. heißen:

„Als Kind habe ich mir den Schutz aufgebaut, mit eigenen Wünschen vorsichtig zu sein. Das hat mir meine damalige Situation erleichtert – oder mich sogar gerettet. Heute möchte ich forschen! Ich möchte herausfinden, wie ich mich als Erwachsener weiter entwickeln kann, und was es mir ermöglicht, für mich einzustehen.“

Gefühle wie Scham, oder auch Schmerzen im sexuellen Kontakt – sie sind Signale, sie sind beinhalten Informationen, sie sind wertvoll – so verrückt das klingen mag. Vertrauen in Körper und Sexualität haben viel mehr Chance, wenn ich den Signalen mit einem „aha, da tut was weh…dort schäme ich mich…was will mir das mitteilen?“ begegne. Mein Intimbereich ist ja nicht doof, wenn er wehtut oder nicht so funktioniert, wie ich es gern hätte – sondern er ist so, weil ..(punktpunktpunkt). Und er kann auch ganz anders, nämlich dann, wenn.. (punktpunktpunkt) .

Vertrauen, genauso wie wirkliches Entspannen – ist eine große, eine abenteuerliche, eine lebendige Forschungsreise.

Was erleben Menschen typischerweise in einer ersten Beratungssituation?

Fast immer Nervosität. Genauer gesagt, Angst. Und das ist so normal. Man stelle sich das vor: Jemand kommt zu einem Fremden, und spricht ausgerechnet mit dem über das, was einen im tiefsten Inneren bewegt. Lässt sich vielleicht sogar berühren, auch intim. Ich behaupte, nur Eingefrorene und Verstorbene sind bei sowas nicht nervös.

Wieder ist es hier eine Frage der Haltung: Will ich gut dastehen, cool sein, mein „ich-weiß-schon-Gesicht“ aufsetzen – oder erlebe ich mein Nervös-Sein als Lebendigkeit, als vollkommen berechtigte Angst, und damit irgendwo als Abenteuer?

„Kann ich diesem Fremden trauen“ etwa heißt die Frage. Und die umfasst schon einen großen Teil dessen, um was es auch in der körperlichen Liebe geht: Vertrauen. Etwas riskieren. Sich wahrnehmen. Sich zumuten.

Herzlich Willkommen damit, Mensch.

Daniel Wolff über Vertrauen

Zitat Daniel Wolff

Welche Themen sehen Sie bei Frauen, Männern oder Paaren am häufigsten und warum ist Sexualität oft schwer anzusprechen?

Am Häufigsten bei Männern: Etwas funktioniere nicht. Ich bin nicht gut genug. Meine Frau will nicht mehr. Oder ich finde keinen Partner (weiblich oder männlich).

Am Häufigsten bei Frauen: Ich bin nicht attraktiv genug. Oder beim Sex tut etwas weh. Mir fällt es schwer, nein zu sagen. Ich komme spät oder gar nicht.

Bei Paaren geht es immer wieder um das Begegnen. Man empfindet es immer eintöniger, sich zu treffen, weiß nicht, wie man wieder Intimität aufbauen kann. Man redet aneinander vorbei – oder auch gar nicht mehr wirklich zusammen.

Warum es so schwer fällt, darüber zu sprechen? Es ist der gesamte Bereich „Gefühle“, der uns zu schaffen macht. Wut, Angst, Traurigkeit, Scham – sie kommen oft so kraftvoll daher, wir sind dann oft wie überschwemmt davon – den Umgang damit hat kaum jemand gelernt. In der Sexualität ist das alles noch verstärkt und es verwundert nicht, dass Menschen gerade in dem Bereich dann erst recht nicht mehr Worte finden oder ihnen zuhören.

Für mich gehören zur Sexualität unbedingt die Körperempfindungen, das Denken, das Fühlen und der Austausch, die Kommunikation dazu. Wenn ich in meiner Sexualität etwas als unstimmig empfinde, fängt die Arbeit fast immer in den genannten Bereichen an. Und bemerkenswerterweise lösen sich dabei die sexuellen Themen oft gleich mit.

Wie wirkt achtsame Berührung bei Ihnen und was unterscheidet Ihre Tantramassage von Wellnessmassagen?

Mit achtsamer Berührung meine ich vor allem, dass ich als Tantramasseur, als Berührender, anwesend bin. Und mit anwesend wiederum ist gemeint, den Raum des Kunden sauber zu halten vor allem von mir selbst, meinen Erwartungen, meinen „Heilungs“energien, meinen Vorstellungen, meinem Ego.

Da ICH es bin, der da ist, bringe ich das alles natürlich immer mit. Es lässt sich nicht verleugnen und natürlich will ich z.B. gut sein. Der Beste! Nur, der Raum des Kunden, den lasse ich damit in Ruhe. Mein „Zeugs“ ist bei mir und es bleibt dort.

So bekommt der Kunde nicht meinen Stress zu spüren, wenn er sein Thema nicht gleich löst. Nicht mal eben entspannt. Er wird nie meine Enttäuschung abkriegen, dass etwas, was ich sage, für ihn nicht stimmt. Für mich ist es dann so. „Aha, es stimmt nicht. Gut, dann stimmt etwas Anderes. Wir finden es raus.“

Das verstehe ich unter sauberem Raum, unter anwesend sein und unter achtsamer Berührung. Das Wesen des Anderen dehnt sich in den offenen, unverbrauchten Raum hinein aus – wo es sich selbst leichter begegnet. In diesem Sinne ist anwesende, bewusste Berührung das Wertvollste, was ich anbieten kann. Nicht nur auf der körperlichen Ebene.

Wellnessmassage ist einfach etwas Anderes. Und dennoch kann eine solche, wenn sie gut ist, ebenfalls tiefe, saubere Räume entstehen lassen.

Wenn jemand spürt: „Da stimmt etwas nicht“ – was würden Sie dieser Person mitgeben?

Da muss ich vielleicht (erstmal!) enttäuschen….Eine generelle Antwort gibt es leider nicht! Es gibt unendlich viele Menschen, wo man nur gratulieren kann, wenn sie „endlich“ spüren, dass sich etwas nicht richtig für sie anfühlt. Das kann so befreiend sein, so ermächtigend, das einmal wirklich vor sich selbst einzugestehen: Etwas ist mir unangenehm. Und zwar, ohne es gleich begründen zu müssen. Es IST einfach so und das zu bemerken ist der wichtigste Schritt, um es zu verändern (– ein großer Segen übrigens auch für den Partner…).

Auf der anderen Seite wiederum gibt es viele, die denken, dass etwas nicht stimmt – aber wenn man mit ihnen zusammen schaut, dann fühlen sie es nicht. Und dann kann – KANN – es ein Konstrukt sein. Eine vorauseilende Beurteilung. Ein Muster, z.B. um sich nicht einzulassen. Für solche Muster gibt es allerdings gute Gründe! Nur könnten diese auch weit zurück liegen, und die heutige Situation mit dem Partner damit verwechselt werden.

Es gilt mit dem Kunde zusammen rauszufinden, was da nicht stimmt und wie er sein Erleben, sein Empfinden nutzen kann, um für sich richtige und freudige Entscheidungen zu treffen.

Wie kann man am besten Kontakt aufnehmen?

Ich biete zwei Möglichkeiten an:

  • E-Mail über wolffdaniel66@gmx.de
  • Telefon 0176-83286250

Man findet mich und mehr über meine Arbeit auch auf meiner Webseite.

Mein Angebot ist auch ein ca 15-minütiges, kostenfreies Kennenlerngespräch am Telefon oder über Zoom.

Du kannst dir so ein Bild machen von mir und meiner Arbeit und du kannst entscheiden, wann und ob es weitergeht.

 

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