Leistungsdruck, Dauerstress und innere Unruhe gehören für viele Menschen längst zum Alltag. Mario De Rosa, Stress- und Burnoutberater sowie Mentaltrainer, kennt diese Realität nicht nur aus seiner Arbeit, sondern aus eigener Erfahrung. Sein Ansatz setzt dort an, wo klassische Stress-Tipps oft versagen: bei den inneren Ursachen von Überforderung, Denk- und Verhaltensmustern sowie fehlender Selbstführung.
Im Interview mit Baden1 spricht Mario De Rosa offen darüber, warum Stress kein persönliches Versagen ist, woran sich ein Burnout wirklich ankündigt und weshalb nachhaltige Leistungsfähigkeit mehr braucht als Disziplin und Durchhalteparolen. Ein Gespräch über Verantwortung, Klarheit und die Frage, wie mentale Gesundheit im echten Leben gelingen kann.
Interview mit Mario De Rosa

Herr De Rosa, was war Ihr persönlicher Wendepunkt im Umgang mit Stress und Überforderung?
Mein Wendepunkt war der Moment, in dem ich gemerkt habe: So wie ich lebe, halte ich das nicht dauerhaft durch. Ich war leistungsorientiert, diszipliniert, ständig im Tun – nach außen funktionierend, innerlich aber zunehmend leer. Irgendwann kamen Schlafprobleme, innere Unruhe und das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen.
Geprägt hat mich auch mein früheres Arbeitsumfeld. Ich war in „meinen jungen Jahren“ in der Spedition tätig – ein Bereich, in dem Druck, Tempo und Verantwortung zum Alltag gehören. Gleichzeitig habe ich im engen familiären Umfeld erlebt, was dauerhafter Arbeitsstress anrichten kann, wenn er körperlich und psychisch krank macht. Das hat mich nachhaltig geprägt.
Der entscheidende Punkt war kein Zusammenbruch, sondern eine klare Erkenntnis: Wenn ich so weitermache, verliere ich mich selbst. Ab da habe ich aufgehört, Stress nur „wegzumanagen“, und begonnen, ehrlich hinzuschauen und an die Ursachen zu gehen: auf meine Denkweisen, meinen Umgang mit Druck, meine Grenzen.
Dieser Prozess war unbequem, aber er war der Anfang echter Veränderung. Heute verbinde ich diese persönlichen Erfahrungen mit fundierter Weiterbildung im Bereich Stress- und Burnoutberatung sowie Mentaltraining.
Mein Ansatz ist bewusst praxisnah und ganzheitlich – weil mentale Gesundheit nie isoliert entsteht, sondern immer im Zusammenspiel von Kopf, Körper und Lebensrealität.
Warum scheitern klassische Stress-Tipps aus Ihrer Sicht so oft im Alltag?
Weil sie meist an der Oberfläche bleiben. „Mehr Pausen machen“, „öfter Nein sagen“ oder „achtsamer sein“ klingt gut – greift aber zu kurz, wenn die eigentlichen Ursachen nicht verstanden werden.
Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass Stress und Burnout ausschließlich vom Job kommen. Natürlich ist Arbeit ein zentraler Faktor, aber viele Menschen stehen auch durch familiäre Konflikte, finanzielle Sorgen oder ungelöste persönliche Themen dauerhaft unter Druck. Diese Belastungen lassen sich nicht einfach wegentspannen.
Viele sind nicht gestresst, weil sie zu wenig abschalten, sondern weil sie innerlich ständig unter Spannung stehen: durch hohe Ansprüche an sich selbst, Perfektionismus, Kontrollbedürfnis oder das Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Solche inneren Antreiber wirken oft unbewusst – und genau deshalb bleiben klassische Tipps wirkungslos.
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder: Entlastung entsteht nicht nur durch Ruhe, sondern auch durch Handeln. Probleme klären, Dinge ansprechen, Verantwortung übernehmen, Strukturen verändern – all das kann mental mehr entlasten als jede Atemübung.
Stress-Tipps sind nicht per se falsch, aber sie wirken dauerhaft erst dann, wenn man das Problem an der Wurzel packt. Als begleitende Werkzeuge sind sie sinnvoll – als alleinige Lösung sind sie oft nur ein Pflaster auf einer offenen Wunde.
Sie arbeiten ursachenorientiert statt symptomatisch. Was bedeutet das konkret?
Konkret bedeutet das: Ich frage nicht nur „Was stresst dich?“, sondern „Warumstresst es dich?“. Ich arbeite mit Menschen daran, ihre Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen:
- Wo entsteht der innere Druck?
- Welche Überzeugungen treiben sie an?
- Warum fällt es schwer, Grenzen zu setzen oder loszulassen?
Erst wenn diese Punkte klar sind, kann man nachhaltig etwas verändern. Stress entsteht nie nach Schema F – also kann auch die Lösung nicht standardisiert sein. Manche brauchen Klarheit im Denken, andere müssen konkrete Probleme aktiv angehen, wieder andere lernen, mit ihren Emotionen bewusster umzugehen. Oft ist es eine Kombination aus allem.
Das dauert länger als schnelle Tipps – wirkt dafür aber dauerhaft. Mein Ansatz ist kein Wohlfühl-Coaching, sondern ehrliche, praktische Arbeit an der Wurzel.
Mario De Rosa über die wahren Ursachen von Dauerstress

Woran merken Menschen, dass sie kurz vor einem Burnout stehen?
Meist nicht an einem großen Knall, sondern an vielen kleinen Signalen. Burnout kündigt sich schleichend an – über Wochen oder Monate. Typisch ist eine Kombination aus emotionalen, körperlichen, mentalen und verhaltensbezogenen Warnzeichen.
Dazu gehören anhaltende Erschöpfung trotz Schlaf, innere Unruhe, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Häufig bestimmt die Arbeit das gesamte Denken – selbst in der Freizeit kommt der Kopf nicht mehr zur Ruhe.
Ein besonders wichtiges Warnsignal ist der Verlust von Freude. Dinge, die früher motiviert oder erfüllt haben, fühlen sich plötzlich leer oder gleichgültig. Viele Menschen übergehen diese Zeichen, weil sie leistungsfähig bleiben wollen und sich selbst einreden, „da einfach durchzumüssen“.
Aus meiner Sicht beginnt Burnout oft dort, wo Menschen aufhören, ehrlich zu sich selbst zu sein – wo sie Signale bewusst ignorieren, vermeiden oder die Verantwortung für ihr eigenes Wohlbefinden abgeben. Genau hier wäre der richtige Zeitpunkt, gegenzusteuern. Nicht aus Schwäche, sondern aus Verantwortung sich selbst gegenüber.
Was braucht es wirklich, um dauerhaft leistungsfähig und gesund zu bleiben?
Dauerhafte Leistungsfähigkeit braucht mehr als Disziplin. Sie braucht mentale Klarheit, Selbstführung und ehrlichen Umgang mit den eigenen Grenzen.
Viele Menschen vernachlässigen heutzutage ihre grundlegenden Bedürfnisse und versuchen gleichzeitig, die Folgen mit einzelnen mentalen oder körperlichen Strategien zu „reparieren“. Aus meiner Erfahrung greift das zu kurz, weil mentale Gesundheit ein stabiles Fundament braucht: eine körperliche Basis, tragfähige Beziehungen, sinnvolle Arbeit, persönliche Werte und ein Gefühl von Sicherheit. Geraten diese Bereiche dauerhaft aus dem Gleichgewicht, hilft keine Technik der Welt auf Dauer.
Stress ist kein Feind, sondern ein Signal. Wer versteht, wie Druck entsteht, und in welchen Lebensbereichen er sich aufbaut, kann bewusst gegensteuern. Dabei geht es nicht um weniger Leistung, sondern um bessere Rahmenbedingungen für Leistung.
Und das beginnt im Kopf.
Was möchten Sie Menschen mitgeben, die sich im Dauerstress wiederfinden und wie können sie mit Ihnen in Kontakt treten?
Mein wichtigster Impuls ist: Stress ist kein persönliches Versagen – aber deine Verantwortung. Niemand kommt von außen und nimmt dir den Druck ab. Veränderung beginnt dort, wo Menschen ehrlich hinschauen und bereit sind, ins Handeln zu kommen.
Mir ist wichtig zu sagen: Nicht jede Erschöpfung ist gleich eine Krankheit. Viele Menschen erleben heute Phasen von Überforderung, Sinnfragen oder innerer Leere – das gehört zum Menschsein dazu. Wer sich vorschnell etikettiert oder in Schubladen steckt, verliert oft den Blick auf die eigentlichen Ursachen und die eigene Gestaltungskraft.
Ich ermutige Menschen, wieder näher an sich selbst heranzurücken: grundlegende Bedürfnisse ernst zu nehmen, Verantwortung für den eigenen Lebensstil zu übernehmen und Stress als Signal zu verstehen – nicht als Makel.
Weitere Informationen finden Interessierte auf meiner Website.
Über Mario De Rosa
Mario De Rosa ist Stress und Burnoutberater sowie Mentaltrainer bei SalutoFit IQ. Er arbeitet praxisnah und ursachenorientiert mit Menschen, die leistungsfähig bleiben wollen und sich dabei nicht selbst verlieren möchten. Sein Ansatz verbindet mentale Stärke körperliche Grundlagen und Eigenverantwortung ohne Schönrednerei. Zusätzlich teilt er seine Impulse und Erfahrungen auf seinem YouTube Kanal.


