Fabian Schläper verbindet Kabarett, Yoga und systemisches Coaching zu einem ungewöhnlichen Ansatz, der Menschen hilft, Abstand zu gewinnen und handlungsfähig zu bleiben. Für ihn ist Humor kein Weglachen von Problemen, sondern ein bewusster Perspektivwechsel, der das Nervensystem reguliert und neue Lösungen sichtbar macht.
Im Interview erklärt Fabian Schläper, warum Lachen Resilienz stärkt, wie Krisen durch Abstand ihre Bedrohlichkeit verlieren und weshalb echte Veränderung dort beginnt, wo Menschen lernen, sich selbst und andere aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.
Interview mit Fabian Schläper

Herr Schläper, welche Rolle spielt Humor in Ihrem eigenen Lebensweg?
Für mich war Humor immer: mir Luft machen können, die Dinge und auch mich selbst von einer anderen Warte aus sehen zu können. Ursprünglich bedeutet das Wort „Humor“ „Feuchtigkeit“ oder „Flüssigkeit“. Er kann also die Dinge wieder ins Fließen bringen.
Beispielsweise konnte ich aus einer Autopanne auf unserer Italienreise einen lustigen Instagram-Post machen und so der Situation ihre Bedrohlichkeit nehmen. Und die Kommentare der Follower haben mir dann so viel Spaß gemacht, daß ich am Ende schon fast froh war über die Panne.
Auch in meiner ersten beruflichen Karriere als Kabarettist habe ich Menschen zum Lachen gebracht. Zum Lachen darüber, was oft so schwer und unsagbar erscheint – und so einen anderen Zugang zu finden zu den ernsten Themen des Lebens. Über sich selbst und unser aller menschlich-Allzumenschliches zu Schmunzeln.
Mit allem Respekt, versteht sich. Es geht nicht ums „Weglachen“, nicht darum, sich über etwas oder jemanden lustig zu machen, sondern um ein Miteinander-Lachen, um Schweres leichter zu machen.
Warum ist Humor aus Ihrer Sicht ein wirksames Werkzeug für Resilienz?
Weil er uns zum Perspektivwechsel einlädt. Ich kann nur über etwas lachen, zu dem ich einen gewissen Abstand habe. Damit meine ich nicht „Smileys draufkleben“ und so tun, als gäb’s keine Probleme. Das ist auf Dauer toxisch und macht Menschen krank.
Wie hilft Humor Menschen, mit Krisen anders umzugehen?
In der Krise haben wir keinen Abstand zu den Dingen. Wir fühlen uns ohnmächtig, hilflos und reagieren aus alten Mustern heraus, die meist mit Kampf, Flucht, Totstellen oder Schmeicheln zu tun haben.
Überlebensreaktionen unsere Nervensystems. Lachen wiederum reguliert das Nervensystem und führt dazu, daß wir wieder Handlungsoptionen sehen können, weil der präfrontale Kortex reaktiviert wird.
Versuchen Sie es doch mal, genau jetzt: lächeln Sie. Muß kein echtes Lächeln sein. Es genügt, für 30 Sekunden die Mundwinkel zu heben, damit Ihr Gehirn denkt, Sie hätten gute Laune. Vielleicht können Sie anschließend auch eine gewisse Entspannung in Körper und Seele wahrnehmen?
Fabian Schläper: Humor als Schlüssel zur Resilienz

Was verbindet Kabarett, Yoga und systemisches Coaching in Ihrer Arbeit?
Die Fähigkeit, Abstand zu nehmen. Mit Abstand sieht man das große Ganze besser. Wer meditiert oder Yoga praktiziert, kennt diesen wohltuenden Effekt. Wenn ich im Coaching Klient*Innen dazu einlade, sich innerlich (oder tatsächlich!) auf andere Stühle zu setzen, gibt es neue Ideen zum Beispiel für Konfliktgespräche.
Indem ich sie zum Perspektivwechsel animiere, erweitern sich ihre Handlungsoptionen. Steigen Zuversicht und Selbstwirksamkeit. Verstärkt sich das Gefühl, handlungsfähig zu sein. Beispielsweise sich in der Paartherapie auf den Stuhl des anderen zu setzen, hilft zu verstehen, wofür der andere so leidenschaftlich kämpft. So kann das Wohlwollen zurückkehren.
Zum Beispiel wird der Rückzug eines Partners im Konflikt häufig als Liebesentzug gelesen. In Wahrheit ist er oft genau das Gegenteil: ein Schutz der Liebe. Wenn er sich zurückzieht, vermeidet er vielleicht verletzende Worte, die er später bereut, weil sie seiner Partnerin oder seinem Partner wehtun.
Sich innerlich auf den Stuhl des Andere zu setzen, führt also zum Verständnis dieser „guten Gründe“ zum Rückzug und damit zu anderen Lösungsmöglichkeiten.
Welche Veränderungen erleben Klientinnen und Klienten durch Ihren Ansatz?
Sie erleben sich als handlungsfähiger, sortierter und klarer. Einzelpersonen im Erstgespräch kann ich oft dabei beobachten, wie nach einiger Zeit ein tiefes Ausatmen, eine Entspannung kommt.
Paare lernen, miteinander über ihre Bedürfnisse zu sprechen, anstatt sich in endlosen Teufelskreisen aus Vorwürfen und Verteidigungen zu verlieren.
Teams räumen ihre Konflikte aus und können effizienter arbeiten. Viele Klient*Innen erleben sich nach kurzer Zeit als regulierter, gelassener und authentischer.
Mein Ansatz ist eine integrative Mischung aus dem, was ich in all’ meinen Ausbildungen bisher als hilfreich erlebt habe. Da mischen sich erlebnisintensivierende systemische Methoden mit Yogaphilosophie. FS mit Traumasensibilität. Atemtechniken mit Präsenzübungen zur Regulierung des Nervensystems.
Ich versuche, jeweils das anzubieten, was für den individuellen Menschen, das Paar oder Team hilfreich ist. Meine Methodik ist für die jeweiligen Klient*Innen da und nicht andersherum.
Wie können Interessierte mit Ihnen in Kontakt treten?
Telepathie. Brieftauben. Das Flohnetzwerk. 😉 Spaß beiseite: am einfachsten per Mail an willkommen@freiraum-stuttgart.net . Meistens antworte ich innerhalb von 24 Stunden. Klient*Innen können vor Ort in meiner Praxis im Stuttgarter Westen vorbeikommen oder online.
- Meine Website
- Instagram: @fabianschlaeper
Über Fabian Schläper
Als Systemischer Coach, Supervisor, Paarberater und Yogalehrer bedeutet seine Arbeit für ihn, einen klaren und wertfreien Blick auf alles, was ist, zu werfen. Er hilft seinen Klient*Innen als begeisterter Perspektivwechsler, Um-die-Ecke-Denker und aufmerksamer Zuhörer, ihre eigenen Lösungen zu entdecken und weiterzuentwickeln.


