Fabian Strumpf kennt persönliche Krisen aus eigener Erfahrung. Depression und Burnout führten ihn Anfang der 2000er Jahre an einen Wendepunkt, der sein Leben grundlegend veränderte. Heute begleitet der Heilpraktiker und Coach Menschen in herausfordernden Lebensphasen, von psychosomatischen Beschwerden bis hin zu innerer Orientierungslosigkeit und verbindet Naturheilkunde mit systemischem Coaching und körperorientierter Arbeit.
Im Interview erklärt Fabian Strumpf, warum Symptome oft eine tiefere Botschaft tragen, wie Körper, Emotion und Bewusstsein zusammenspielen und weshalb nachhaltige Veränderung nicht durch reines Nachdenken entsteht, sondern durch echte innere Klarheit. Ein Gespräch über Verantwortung, Selbstwirksamkeit und den Mut, sich dem eigenen Inneren zu stellen.
Fabian Strumpf im Interview

Was hat Sie persönlich dazu gebracht, Menschen in Veränderungsprozessen zu begleiten?
Meine eigene Erkrankung brachte mich auf den Weg mir Hilfe zu suchen. Anfang der 2000er Jahre befand ich mich zunehmend in einem Zustand von Depression und Burnout, teilweise mit suizidalen Gedanken.
Ein guter Freund wies mich auf einen Heilpraktiker hin, der ihm sehr gut bei seinen Schmerzen und Schlafstörungen helfen konnte. Ich wusste, dass ich mich meinem eigenen Inneren zuwenden musste, um gesund zu werden und vereinbarte einen Termin bei diesem Heilpraktiker.
Ich hatte bis dahin keine Berührung mit alternativer Medizin oder Naturheilkunde. Ich war erstaunt, dass seine Behandlung so rasch und durchgreifend wirkte.
Natürlich wurde mir klar, dass ich in der eigenen Verantwortung war, dafür zu sorgen, dass es mir besser ging. Ein Therapeut kann Angebote machen, Heilmittel verschreiben und präsent sein.
Gleichzeitig lag es an mir dorthin zu schauen, wo es in mir schmerzhaft war. Und zu begreifen, dass die Erkrankung, an der ich litt, einen positiven Sinn hat. Mich auf meine fehlende Balance aufmerksam zu machen und mir einen neuen Weg des Umgangs zu lehren.
Mit welchen Themen kommen Klientinnen und Klienten am häufigsten zu Ihnen?
In der Regel sind es Menschen, die zu mir kommen mit sog. psychosomatischen Krankheiten. Leiden, wo der Körper durch Schmerzen oder Dysfunktion ihnen zeigen will, dass etwas Grundlegendes im Leben nicht stimmt.
Das können Migräne, Panikattacken, chronische Verspannungen, Verdauungsstörungen sein, also sehr vielseitig, was die Krankheitsbilder angeht. Oft haben sie schon einiges probiert oder einige Arztbesuche hinter sich.
Wir begeben uns dann gemeinsam auf den Weg herauszubekommen, was das eigene Leiden ihnen sagen will, also welche positive Absicht hinter dem Symptom steckt.
Es gibt diese schöne kleine Geschichte, wo die Seele zum Körper sagt: „Geh du voran, auf mich hört er nicht.“ Gerade aus dieser Beobachtung heraus haben psychosomatische Erkrankungen auch in der konventionellen Medizin längst einen Stellenwert und das zu Recht.
Menschen kommen zu mir, wenn ihnen die innere Klarheit, der eigene Fokus oder der Sinn im Leben weggebrochen ist. Oft befinden sich diese Menschen in Krisensituationen und Übergängen von Lebenssituationen. Umstände, mit denen sie gerade nicht fertig werden.
Zum Beispiel Trennung, familiäre Themen, Beziehungsschwierigkeiten oder Probleme mit Autoritäten im Job. Zusammen schauen wir uns die Themen an, die gerade drücken und ich helfe mit dem Blick auf die verschiedenen Systeme und Beziehungen, in denen sich der Klient oder die Klientin befindet, die Perspektive auf das zu richten, was hilft und was gerade wichtig ist.
Außerdem kommen Menschen zu mir, denen ich mit Naturheilkunde bei gewissen Schmerzen Erleichterungen verschaffen kann, z.B. Blutegel ansetzen bei Kniearthrose. Ein Teil der Menschen, die zu mir kommen, kann ich mit Körperpsychotherapie helfen, wieder in ihre Mitte zu kommen.
Diese Menschen tragen oft unverarbeitete Trauma in sich, die auf körperlich-energetischer Ebene verhindern, dass der Mensch wirklich das eigene Leben lebt, gestalten und genießen kann. Ängste und tiefsitzende Glaubensmuster treten dabei zu Tage und können losgelassen werden, um Platz zu schaffen für etwas Neues, wo das Leiden verschwinden darf.
Woran merken Menschen zuerst, dass sich durch Ihre Arbeit etwas verändert?
Das kann verschieden sein: wenn sich die Hauptbeschwerde nach dem Termin und der Einnahme des passenden homöopathischen Mittels verschwindet oder deutlich weniger wird.
Es passiert auch, dass die Hauptbeschwerde nicht als erstes verschwindet, sondern sich neue Perspektiven auf das eigene Leben zeigen. Eine neue Grundstimmung kann gefühlt werden. Der Patient, die Patientin fühlt sich klarer, leichter, gelöster, kräftiger oder kann Dinge angehen, zu denen es vorher keine Möglichkeit gab.
Es kann auch passieren, dass sich von selbst plötzlich nach der Behandlung Menschen melden, um lang gehegte Konflikte zu beseitigen. Die Mutter, mit der man schon lange keinen Kontakt hat, meldet sich und spricht plötzlich Worte, die man noch nie gehört hat.
Beschwerden verschwinden ganz oder bessern sich drastisch.
Heilung kann sehr verschieden sein, je nachdem was wichtig ist für den Patienten.
Grundlegend beobachte ich eine Erweiterung der Perspektiven und dass die eigene Lebenskraft stärker wird und wir uns wieder mit uns mehr verbunden fühlen.
Fabian Strumpf: Klarheit statt Krise

Was unterscheidet Ihren Coaching-Ansatz von klassischen Methoden?
Bei der Betrachtung des Problems/Themas lasse ich mich sehr auf die Innenwelt des Patienten/Klienten ein. Ich fühle mit und spiegele dies dem Patienten. Ich vermeide schnelle und unfundierte Analysen der Situation. Vorschnelle Tipps und „Das sollten Sie machen!“ sind nicht zielführend.
Es geht um das Wachstum und die Heilung des Patienten und das funktioniert am besten, wenn der Mensch sich selbst entdecken kann. Wirklich begreifen, was das Problem hinter seinen Beschwerden ist. Und mit meiner Hilfe die Lösung bei sich erfährt, und nicht von mir aufgedrückt oder serviert bekommt.
Dies lässt sich sehr schön realisieren mit dem systemischen Ansatz und der Wahrnehmungsschulung der Patienten. Selbst spüren, selbst fühlen, selbst erkennen, ohne dass ich schematische und vorgefertigte Lösungen präsentiere.
Es ist wichtig, dass ich erkenne, wo der Mensch gerade steht, mit dem ich arbeite. Was ist gerade nötig, möglich und wichtig. Was würde überfordern, was würde dazu verleiten, den Ernst der Lage runter zu spielen.
In einem weiteren Ansatz von mir, dem Coaching mit dem Haka, dem Krafttanz der Maori, setze ich auf einen körperlichen Weg mithilfe von Bewegung, Stimme und Atem, kombiniert mit archaischen Visalisierungen.
Dieser Ansatz ist einzigartig, weil er durchgreifend die körperlichen Ressourcen anspricht. Der Körper ist in unsere westlichen Gesellschaft leider nicht sehr präsent oder wird andererseits übersexualisiert oder mit Verboten belegt.
Aber wir alle haben einen Körper und dieser gehört zu einem gesunden und ganzheitlichen Menschen. Viele haben gelernt, der geistigen Ebene, dem Kopf, in ihrem Leben den Vorrang zu geben.
Das Emotionale, das Spüren/Fühlen, Wahrnehmen, Instinkt und Intuition sind aber alles Ressourcen, die dem Körper entspringen. Verneinen wir den Körper, wird auch unser Zugang zu den vorher erwähnten Ressourcen schwächer.
Die feste Form eines Haka öffnet einen Raum, in dem die körperliche Präsenz sein darf. Verstärktes Atmen lässt den Körper lebendig werden. Die Stimme, lauter als üblich, gibt das Gefühl der Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit wieder.
Die Aggression, die der Haka in uns weckt, ist gesund und befähigt den Menschen, das eigene Leben mit Kraft und Präsenz zu gestalten und zu leben. Menschen, die sich nicht trauen, sie selbst zu sein, kommen daher zu mir.
Menschen, die ihre eigene Kraft jenseits des Kopfes kennenlernen wollen, kommen daher zu mir. Menschen mit Angst vor öffentlichen Auftritten/Publikum kommen daher zu mir.
Menschen, die ihre Kraft kanalisieren wollen und einen konstruktiven Ausdruck finden wollen, kommen daher zu mir. Menschen, die Grenzen setzen wollen und zu sich selbst stehen wollen, kommen daher zu mir. Dieses Coaching kann in Einzel-Sessions und in Gruppenworkshops gemacht werden.
Warum ist innere Klarheit heute so entscheidend für persönliche Entwicklung?
Klarheit ist der Beginn des Weges. Wenn wir verstanden haben, dass wir zu jederzeit wirken und unsere Gedanken immer das Leben in jedem Moment so formen, wie es unsere Klarheit gerade zulässt, dann wird deutlich, wie wichtig es ist, klare Gedanken und Gefühle in sich zu tragen und zu kultivieren.
Wenn ich einen inneren Konflikt habe, wird sich die Umwelt und das Geschehen, in dem ich mich befinde, immer derart darstellen, wie sich dieser Konflikt in mir in diesem Moment gerade darstellt.
Es ist ein Kreislauf. Ich denke etwas bestimmtes, was wiederum dazu passende Gefühle in mir auslöst. Mein inneres System nimmt dies als Bestätigung, dass die Geschichte, die ich mir zu dem Konflikt innerlich erzähle, stimmt und bestätigt sich damit selbst.
Klarheit über diese Mechanismen sorgt dafür, dass ich aus diesem Kreislauf aussteigen und differenzieren kann zwischen Vergangenem und Aktuellem.
Wenn ich das Gefühl habe, dass ich immer wieder von jemandem ausgenutzt werde, habe ich die Möglichkeit mir diesen Konflikt anzuschauen, z.B. mit der Hilfe eines Therapeuten, Coach etc. Oft fehlt uns die Einsicht, dass das Gefühl, das durch die Handlung der anderen Person getriggert wird, erstmal nur mein Gefühl ist.
Zu schnell ist die unbewusste Feststellung, dass das Gegenüber verantwortlich für meinen Zustand ist. Damit sind wir aber in völliger Unklarheit über uns und das Gegenüber. Wir wissen nicht, ob derjenige wirklich im Sinn hat, uns zu verletzen.
In meiner Erfahrung ist das nicht so oft der Fall, vielmehr Unbewusstheit, Unachtsamkeit und eigene Verhaltensmuster sorgen dafür, dass derjenige so agiert.
Gleichzeitig vermeiden wir es, unseren eigenen Schmerz anzuschauen und damit zu sein und es nicht wegdrücken zu wollen. Stattdessen ergehen wir uns in Gedanken und Mutmassungen, wieso das Gegenüber so ist und welchen Schmerz er oder sie uns damit zufügt.
Wir müssen hinschauen zu dem Gefühl von benutzt oder betrogen werden.
Um dann eventuell festzustellen, dass dahinter ein anderes Gefühl auftaucht, welches tiefer liegt, zum Beispiel das Gefühl nicht verstanden oder gesehen bzw. gewertschätzt zu werden.
Dann kann uns klar werden, welche grundlegende Erfahrung wir vor einer gewissen Zeit gemacht haben, die wir noch nicht geklärt haben und die immer noch wirkt.
Was raten Sie Menschen, die spüren, dass sie etwas verändern möchten?
Ich rate: Öffne dich innerlich für die Möglichkeit, dass es einen Weg gibt, der dich unterstützt bei der Veränderung. Du musst es Dir nicht vorstellen können, wie dieser Weg geht, halte dir einfach diese Möglichkeit gedanklich offen.
Dir werden Menschen begegnen, die dir helfen. Du wirst Situationen erleben, die dich mehr über dich und die Zusammenhänge und Wirkweisen verstehen lassen. Du wirst Momente mit Dir haben, die dich spüren lassen, wo es lang geht.
Und mach es Dir nicht schwerer als es ist, Du darfst Hilfe annehmen. Und aktiv suchen bei Menschen, die dazu ausgebildet sind.
Über Fabian Strumpf
Fabian Strumpf begleitet Menschen in Krisen, Umbrüchen und psychosomatischen Belastungen zurück in ihre innere Klarheit. Als Heilpraktiker und Coach verbindet er Naturheilkunde, systemische Arbeit und körperorientierte Methoden wie den Haka zu einem ganzheitlichen Ansatz. Sein Fokus liegt darauf, Menschen wieder in ihre Selbstwirksamkeit und Kraft jenseits des reinen Denkens zu führen.


