Siegfried Dannwolf war viele Jahre Geschäftsführer beim Südwestrundfunk, bevor ein gesundheitlicher Einschnitt ihn zu einem radikalen Perspektivwechsel zwang. Heute arbeitet er als MBSR-Trainer und Coach für Achtsamkeit, Resilienz und Stressbewältigung – aus eigener Erfahrung und mit wissenschaftlich fundiertem Ansatz.
Im Interview erklärt Siegfried Dannwolf, warum Mindfulness-Based Stress Reduction als eines der wirksamsten Programme gegen chronischen Stress gilt, weshalb Selbstführung zur Schlüsselkompetenz moderner Führungskräfte geworden ist und wie kleine Pausen im Alltag große Veränderungen bewirken können.
Siegfried Dannwolf im Interview

Herr Dannwolf, was hat Sie nach Ihrer langjährigen Führungslaufbahn zur Achtsamkeitsarbeit geführt?
Meine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer war einerseits eine erfüllende Tätigkeit, sie hat mir allerdings auch viel Stress eingebracht. Die Folge war ein gesundheitlicher Einschnitt. Ich entschied mich deshalb zu einem vorgezogenen Ruhestand und stieg ich ins Coaching ein.
Es war klar, dass ich aufgrund eigener Erfahrung meinen Schwerpunkt auf das Thema Stressbewältigung legen möchte. Ich suchte mir eine Qualifikation dafür und fand die Ausbildung zum MBSR Trainer. Das war meine beste Entscheidung. Sie hat mein Leben verändert.
Ich weiß heute, dass ich mit dieser achtsamkeitsbasierten Methode viele gesundheitliche Probleme hätte vermeiden können.
Warum ist MBSR aus Ihrer Sicht eines der wirksamsten Programme zur Stressbewältigung?
MBSR – Mindfulness-Based Stress Reduction – gilt als das am besten erforschte Programm zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Viele wissenschaftliche Studien belegen die positiven Wirkungen auf Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung.
Immer mehr Organisationen bieten Achtsamkeitstrainings für ihre Mitarbeitenden im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements oder der Personal- und Führungskräfteentwicklung an.
Die positiven Effekte für unsere psychische und physische Gesundheit sind z.B. mehr Gelassenheit im Umgang mit Herausforderungen, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Verbesserung der Impulssteuerung und Emotionsregulation, um nur einige Beispiele zu nennen.
Jon Kabat-Zinn, der das Programm MBSR entwickelt hat, wird eine Satz zugeschrieben, der die Wirkung sehr gut zusammenfasst: Du kannst die Wellen des Lebens nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen.
Welche Rolle spielt Selbstführung heute für Führungskräfte besonders stark?
Die Fähigkeit zur Selbstführung ist Grundvoraussetzung, die Potenziale der anderen Menschen zu erkennen und zu fördern. Nur wer sich selbst gut führt, kann auch andere gut führen. Selbstführung bedeutet, die eigenen Bedürfnisse, Gedanken und Emotionen bewusst wahrzunehmen und zu steuern.
Gerade im Berufsalltag, der oft von Stress und hohen Anforderungen geprägt ist, hilft eine gute Selbstführung dabei, gelassen und klar zu bleiben, Entscheidungen bewusst zu treffen und authentisch zu handeln. Durch Achtsamkeit wird die Empathie-Fähigkeit gefördert, eine der wichtigsten Führungskompetenzen.
Siegfried Dannwolf über Achtsamkeit & Stressbewältigung

Was verändert sich konkret im Berufsalltag, wenn Achtsamkeit zur Haltung wird?
Achtsamkeitspraxis führt zu einer Haltung, die durch eine wache Selbstwahrnehmung und eine klare Selbstführung/Selbststeuerung geprägt ist. Teilnehmende an Achtsamkeitskursen berichten über mehr Gelassenheit, eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit, auch über mehr Klarheit und Zufriedenheit.
Sie erkennen ihre aktuellen Bedürfnisse, nehmen ihre Körpersignale besser wahr, und reflektieren ihre bisweilen katastrophisierenden Gedanken. Vor allem die Verbesserung der Emotions- und Impulskontrolle ist im Berufsalltag sehr stressentlastend.
Wenn Achtsamkeit zur Haltung wird, verändert sich die Art und Weise, wie wir mit Herausforderungen und Stress im Berufsalltag umgehen. Mitarbeitende erleben häufiger Momente bewusster Präsenz, was dazu beiträgt, hektische Situationen mit mehr Ruhe und Übersicht zu meistern.
Entscheidungen werden nicht mehr aus dem Autopiloten heraus, sondern reflektiert und mit größerer Klarheit getroffen.
Warum profitieren Unternehmen messbar von achtsam geführten Teams?
Mehr Bewusstheit, Klarheit und gegenseitige Anerkennung innerhalb eines Teams steigern die Motivation der Mitarbeitenden deutlich. Ein wertschätzender Umgang fördert das Vertrauen und die Zusammenarbeit im Team und wirkt sich positiv auf die Leistungsbereitschaft aus.
Die Kommunikation im Team wird offener und wertschätzender, da achtsame Menschen ihre eigenen Bedürfnisse und die der anderen besser wahrnehmen. Dadurch entstehen weniger Missverständnisse und Konflikte, was das Arbeitsklima nachhaltig verbessert. Insgesamt wächst die Fähigkeit, auch in anspruchsvollen Zeiten resilient und gesund zu bleiben.
Unternehmen profitieren messbar durch weniger stressbedingte Ausfälle. Mitarbeitende, die achtsam geführt werden, entwickeln mehr Resilienz gegenüber Stress und bleiben gesünder.
Zudem steigert ein Unternehmen seine Attraktivität für die Personalgewinnung, wenn Angebote für Stressmanagement und Achtsamkeit zum Fortbildungs-Portfolio gehören.
Was möchten Sie Menschen im Umgang mit Stress mitgeben und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Vor allem zwei kleine Weichenstellungen können sehr hilfreich sein:
- Der Satz von Laotse: „Wer innehält, erhält von innen Halt“ gewinnt im Alltag eine große Bedeutung. Denn immer wieder kleine Pausen einzulegen, bedeutet einen Stopp für das Hamsterrad und die kleine, aber wichtige Pause zwischen Reiz und Reaktion.
- Immer wieder sollte man sich die Frage stellen: „Was brauche ich?“ anstatt: „Was muss ich tun?“. Unsere To-do-Liste im Zusammenspiel mit unserem Tun-Modus treibt uns im Automatismus permanent zur Leistung an. Der innere Antreiber und Kritiker wirken noch als Turbo mit. Und so verlieren wir den Kontakt zu uns selbst und vernachlässigen oft die wichtigsten Bedürfnisse.
Mit diesen beiden Empfehlungen aktivieren wir die wichtige Selbstfürsorge. Nur wenn wir gut für uns sorgen, können wir auch gut für andere da sein, für Angehörige, für Kolleginnen und Kollegen, für Freunde.
Unser Antriebssystem und unser Alarmsystem „funktionieren“ ja im Autopiloten, unser Selbstfürsorge-System hingegen müssen wir immer wieder selbst aktivieren. Nur wenn alle Systeme in Balance sind, bleiben wir gesund.
In Kontakt kann mit mir treten über
- Per Mail an: siegfried@dannwolf.info
- Mein LinkedIn-Account: Siegfried Dannwolf | LinkedIn
- Einen Auszug aus meinem Angebot kann man auf meiner Website finden
Über Siegfried Dannwolf
Siegfried Dannwolf ist seit 2016 Coach und Trainer für MBSR, Achtsamkeit und Resilienz. Zuvor war er viele Jahre beim Südwestrundfunk tätig, zuletzt rund 15 Jahre als Geschäftsführer. Seine Arbeit verbindet Führungserfahrung mit wissenschaftlich fundierter Stressbewältigung und achtsamkeitsbasierter Selbstführung.


