Magnus Kyre stellt eine zentrale Frage, die viele Unternehmen noch immer unterschätzen: Wie gestalten wir Arbeit so, dass Menschen nicht nur funktionieren, sondern wirklich aufblühen? Zwischen Leistungsdruck, Fachkräftemangel und kulturellem Wandel zeigt sich immer deutlicher, dass alte Denkweisen an ihre Grenzen stoßen.
Er zeigt, warum positive Arbeitskultur kein Nice-to-have ist, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor. Es geht um Sinn, Stärken und echte Verbindung im Arbeitsalltag. Wer Arbeit neu denkt, schafft nicht nur bessere Ergebnisse, sondern auch ein Umfeld, in dem Menschen langfristig leistungsfähig und gesund bleiben.
Interview mit Magnus Kyre

Herr Kyre, was treibt Sie an, die Arbeitswelt aktiv mitzugestalten?
Mich treibt die Überzeugung an, dass Arbeit ein Ort sein kann, an dem Menschen wachsen – nicht ausbrennen. Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens im beruflichen Kontext.
Wenn es uns gelingt, Arbeit menschlicher, sinnerfüllter und stärkenorientierter zu gestalten, hat das enorme Auswirkungen: auf Gesundheit, Motivation, Zusammenarbeit und letztlich auch auf den wirtschaftlichen Erfolg.
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder, wie viel Potenzial in Menschen und Organisationen steckt und wie oft dieses Potenzial durch nicht mehr passende Denk- und Führungsmuster blockiert wird. Genau dort setze ich an: Ich möchte Räume schaffen, in denen gute Qualität, Leistung und Menschlichkeit kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig verstärken.
Was verstehen Sie unter „positivem Arbeiten“ konkret?
Positives Arbeiten wird häufig missverstanden als „alles ist gut“-Mentalität oder Daueroptimismus. Das Gegenteil ist der Fall. Positives Arbeiten bedeutet, die Realität ernst zu nehmen – inklusive Herausforderungen, Druck und Konflikten und gleichzeitig gezielt die Faktoren zu stärken, die Menschen leistungsfähig, gesund und engagiert machen.
Konkret heißt das: Arbeiten mit Stärken statt primär mit Defiziten, eine konstruktive Fehler- und Lernkultur, psychologische Sicherheit, sinnvolle Ziele und Beziehungen auf Augenhöhe. Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen ihr Bestes geben können – nicht müssen.
Die Positive Psychologie als Forschungsdisziplin liefert dafür eine wissenschaftlich fundierte Basis, die ich sehr praxisnah in den Arbeitsalltag übersetze.
Hierzu ein paar Beispiele:
In Stärkenworkshops identifizieren Teams ihre individuellen und kollektiven Stärken und lernen, diese gezielt im Arbeitsalltag einzusetzen. Allein diese Perspektivverschiebung – weg vom „Was fehlt?“ hin zum „Was wirkt bereits gut?“ – verändert Zusammenarbeit, Kommunikation und Verantwortungsgefühl spürbar.
Im Bereich Positives Führen arbeite ich mit Führungskräften daran, wie sie durch Anerkennung, Vertrauen und Klarheit Leistungsfähigkeit fördern können, ohne Druck weiter zu erhöhen. Führungskräfte erleben dabei oft erstmals, dass positive Führung nicht „nett sein“ bedeutet, sondern wirksam, klar und leistungsorientiert zu führen – auf eine menschliche Weise.
Ein weiteres Beispiel aus meiner Beratungstätigkeit in Organisationen ist die Entwicklung von Unternehmenswerten. Hier geht es nicht um wohlklingende Begriffe, sondern um die Frage: Wie zeigen sich diese Werte konkret im Alltag? In gemeinsamen Workshops übersetzen wir Werte in beobachtbares Verhalten – etwa in Entscheidungsprozessen, Feedbackkultur oder Zusammenarbeit. So werden Werte handlungsleitend statt austauschbar.
Woran scheitern Unternehmen heute am häufigsten beim Thema Kultur?
Am häufigsten scheitert Kultur an der Lücke zwischen Anspruch und gelebter Realität. Viele Unternehmen haben Leitbilder, Werteplakate oder Kulturprogramme – doch im Alltag werden andere Signale gesendet. Mitarbeitende und auch Bewerbende – spüren sehr genau, ob Werte wirklich zählen oder nur kommuniziert werden.
Ein weiterer zentraler Punkt: Kultur wird oft als „weiches Thema“ betrachtet, das nebenbei läuft. Tatsächlich entsteht Kultur aber jeden Tag durch Führung, Entscheidungen, Kommunikation und den Umgang mit Fehlern. Wenn Führungskräfte nicht aktiv als Kulturträger agieren oder selbst unter Dauerstress stehen, kippt jede noch so gut gemeinte Initiative. Kulturarbeit braucht Klarheit, Konsequenz und vor allem Vorbilder.
Magnus Kyre: Arbeit mit Sinn

Welche Rolle spielt Sinn für Motivation und Leistung?
Sinn ist einer der stärksten Motivationsfaktoren überhaupt. Menschen wollen verstehen, wofür sie etwas tun und welchen Beitrag ihre Arbeit leistet – für Kunden, für das Team oder für die Gesellschaft. Wenn dieser Sinn fehlt, wird Arbeit schnell zur reinen Pflichterfüllung.
Studien aus der Positiven Psychologie zeigen klar: Sinnhaftigkeit steigert Engagement, Resilienz und Leistungsfähigkeit. Gerade in Zeiten von Veränderung, Unsicherheit und hoher Arbeitsdichte ist Sinn eine Art innerer Kompass. Führungskräfte spielen hier eine Schlüsselrolle, indem sie Orientierung geben, Zusammenhänge erklären und Arbeit in einen größeren Kontext einbetten.
Sinn entsteht nicht durch große Worte, sondern durch glaubwürdige Führung und echte Verbindung. Und das kann trainiert werden!
Was macht Ihre Arbeit mit Führungskräften besonders wirksam?
Meine Arbeit ist wirksam, weil sie drei Ebenen verbindet: Wissenschaft, Praxis und persönliche Reflexion. Ich arbeite auf Basis fundierter Erkenntnisse der Positiven Psychologie, übersetze diese aber konsequent in den Führungsalltag.
Führungskräfte bekommen keine abstrakten Modelle, sondern konkrete Werkzeuge, die sofort anwendbar sind.
Gleichzeitig geht es nicht nur um Methoden, sondern um Haltung. Führung beginnt immer bei der eigenen inneren Klarheit: Wie gehe ich mit Druck um? Woran orientiere ich mich? Wie wirke ich auf andere?
In meinen Trainings und Beratungen entsteht ein Raum, in dem Führungskräfte ehrlich hinschauen dürfen – ohne Schuldzuweisung, aber mit Verantwortung. Diese Kombination aus Sicherheit und Anspruch sorgt für nachhaltige Entwicklung statt kurzfristiger Effekte.
Wie können Organisationen oder Führungskräfte mit Ihnen in Kontakt treten?
Am einfachsten über meine Website oder über berufliche Netzwerke wie LinkedIn. Dort erhalten Interessierte einen guten Eindruck von meiner Arbeitsweise, meinen Schwerpunkten und aktuellen Angeboten.
In einem ersten persönlichen Gespräch geht es mir vor allem darum zuzuhören: Was bewegt die Menschen? Wo steht die Organisation gerade? Und wobei soll Entwicklung konkret unterstützt werden? Danach entscheiden wir gemeinsam, ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.
Ob Training, Workshop, Coaching oder langfristige Begleitung: Ziel ist immer eine Lösung, die zur jeweiligen Organisation und zu den Menschen darin passt.
Denn mir ist wichtig, dass es nicht um Standardlösungen geht, sondern um eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die zur jeweiligen Kultur passt. Wenn Vertrauen, Offenheit und ein gemeinsames Verständnis von Entwicklung vorhanden sind, entsteht daraus oft eine sehr nachhaltige und wirksame Begleitung – für Individuen, Teams und ganze Organisationen.
Über Magnus Kyre
Magnus Kyre ist Organisationsentwickler sowie Trainer und Berater für Positive Psychologie. Seit rund 15 Jahren begleitet er von Stuttgart aus Fach- und Führungskräfte, Organisationen und Studierende dabei, sinnstiftende und stärkenorientierte Arbeitswelten zu gestalten. Sein Antrieb ist die Überzeugung, dass Arbeit mehr sein darf als reines Funktionieren, sondern ein Raum für Verantwortung, Sinn und persönliches Wachstum.


