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Dr. Iraj Esmaeilpour Ghoochani: Wenn Coaching sichtbar wird

Dr. Iraj Esmaeilpour Ghoochani verbindet Coaching mit Kunst, Symbolik und persönlicher Erfahrung. Mit seiner Methode PorTreat entsteht kein klassisches Gesprächsformat, sondern ein Erfahrungsraum, in dem innere Bilder sichtbar werden und Orientierung geben. Statt Probleme endlos zu analysieren, führt der Prozess direkt zur eigenen Handlungsfähigkeit.

Im Zentrum steht ein gemaltes Bild, das keine Diagnose darstellt, sondern die innere Welt des Menschen widerspiegelt. Tiere, Formen oder Landschaften machen unbewusste Spannungen ebenso sichtbar wie vorhandene Ressourcen. Viele Klientinnen und Klienten erkennen sich darin sofort wieder. PorTreat wirkt dort, wo Sprache an ihre Grenzen kommt und schafft Klarheit jenseits reiner Rationalität.

Interview mit Dr. Iraj Esmaeilpour Ghoochani

Interview Dr. Iraj Esmaeilpour Ghoochani

Herr Dr. Ghoochani, was war der Auslöser für die Entwicklung Ihrer Coachingtechnik PorTreat?

In meiner praktischen Arbeit habe ich sehr früh bemerkt, dass ich stark in Bildern denke. Als bildender Künstler entstehen bei mir in Gesprächen oft schon nach kurzer Zeit innere Bilder vom Zustand meiner Klientinnen und Klienten. Diese Bilder sind nicht beliebig. Es können Tiere sein, Formen, Landschaften oder Situationen – etwa ein scheues Reh, ein Panther, der zugleich stark und verletzlich ist, oder ein Mensch ohne klaren Umriss.

Diese Bilder begleiteten mich lange, zunächst nur innerlich. Irgendwann wurde mir klar, dass sie mehr sind als persönliche Eindrücke. Sie enthalten Informationen, die im Gespräch oft nicht ausgesprochen werden. Daraus entstand der Wunsch, diese Bilder sichtbar zu machen und mit dem Klienten zu teilen.

Gleichzeitig folge ich in meiner Arbeit einem einfachen Prinzip: Coaching sollte sich so tief wie nötig mit einem Thema beschäftigen, aber nicht tiefer. Es geht nicht darum, Probleme endlos zu analysieren, sondern darum, Orientierung zu schaffen. PorTreat hilft dabei, schneller von der Problembeschreibung zur eigenen Handlungsfähigkeit zu kommen.

Was unterscheidet PorTreat grundlegend von klassischen Coachingansätzen?

Auch im klassischen Coaching und besonders in der Psychoanalyse wird mit Bildern, Symbolen und Geschichten gearbeitet. Die Psychoanalyse nutzt seit ihren Anfängen Mythen. Figuren wie Ödipus, Narziss oder Elektra sind keine realen Personen, sondern symbolische Erzählungen. Sie dienen als Deutungsangebote, um innere Konflikte zu verstehen.

Man könnte sagen: Der Psychoanalytiker greift auf einen vorhandenen Mythos zurück und prüft gemeinsam mit dem Klienten, ob dieser Mythos zu seinem Erleben passt. Diese Mythen sind gewissermaßen „Einheitsgrößen“, die angepasst werden.

Im Schamanismus funktioniert das anders. Dort wird kein fertiger Mythos angewendet. Der Schamane lebt mit dem Klienten einen neuen Mythos. Eine neue Geschichte entsteht im gemeinsamen Prozess. Genau dieser Gedanke ist für mich sehr wichtig.

Meine Arbeit bewegt sich zwischen diesen beiden Welten. Sie ist stark von Freud und Lacan geprägt, aber sie hat auch einen schamanischen Kern. Bei PorTreat geht es nicht darum, einen bestehenden Mythos zu erklären, sondern darum, gemeinsam ein neues, persönliches Bild entstehen zu lassen. Dieses Bild ist kein theoretisches Modell, sondern eine Erfahrung.

Am Ende dieses Prozesses male ich ein PorTreat. Es ist kein klassisches Portrait, auch wenn der Name das zunächst vermuten lässt. Der Begriff setzt sich aus Portrait und treat zusammen – dem englischen Wort für behandeln oder heilen.

Es geht also nicht um ein Abbild des Gesichts, sondern um ein Portrait der inneren Welt. Das PorTreat macht innere Themen, Spannungen und vorhandene Ressourcen sichtbar.

Viele Klientinnen und Klienten sagen beim ersten Anblick:

Ja, das bin ich!

Dieses Bild bleibt beim Klienten und begleitet ihn über den Prozess hinaus weiter.

Warum wirken Bild- und Symbolarbeit oft schneller als reine Gespräche?

Unser Denken ist älter als unsere Sprache. Bilder sind eine ursprüngliche Form der Orientierung. Gespräche bleiben häufig auf der Ebene des Verstandes. Viele Menschen erklären, rechtfertigen oder kontrollieren ihre Worte und umgehen dabei unbewusst bestimmte Themen.

Bilder umgehen diese Kontrolle. Sie werden schneller verstanden, bleiben länger im Gedächtnis und lösen unmittelbare Reaktionen aus. Wenn Worte fehlen oder nicht ausreichen, übernehmen Symbole eine vermittelnde Funktion.

Die Arbeit mit Bildern ist dabei nichts Neues. Der Rorschach-Test ist ein bekanntes Beispiel dafür, wie Bilder innere Prozesse sichtbar machen können. PorTreat knüpft an diese Tradition an, geht aber darüber hinaus. Das Bild ist kein Test und keine Diagnose, sondern ein persönlicher Bezugspunkt. Es bleibt im Alltag präsent und erinnert an etwas, das man bereits gesehen und verstanden hat.

Dr. Iraj Esmaeilpour Ghoochani und die Kraft innerer Bilder

Zitat Dr. Iraj Esmaeilpour Ghoochani

Für wen ist PorTreat besonders geeignet und in welchen Situationen entfaltet es seine größte Wirkung?

PorTreat eignet sich besonders für Menschen, die stark rational denken oder denen es schwerfällt, über Gefühle zu sprechen. Auch für Menschen, die vieles schon analysiert haben, aber dennoch feststecken, kann diese Methode hilfreich sein.

Ein Bild wirkt oft direkter als ein Gespräch. Es erklärt nicht, es zeigt. Dadurch entsteht weniger Widerstand. Der Mensch fühlt sich nicht bewertet, sondern erkannt.

Welche gesellschaftliche oder persönliche Veränderung wünschen Sie sich durch Ihre Arbeit?

Ich wünsche mir, dass Coaching nicht nur als Gesprächstechnik verstanden wird, sondern auch als Erfahrungsraum. Bilder, Symbole und Mythen gehören zur menschlichen Kultur, lange bevor es psychologische Begriffe gab.

Meine Arbeit ist ein Versuch, diese Ebene wieder stärker einzubeziehen. Nicht als Ersatz für Denken, sondern als Ergänzung. Auf persönlicher Ebene geht es mir darum, Menschen zu helfen, ein inneres Bild von sich selbst zu entwickeln, das ihnen Orientierung gibt – gerade in Zeiten von Unsicherheit.

Wie können Interessierte PorTreat selbst erleben und wie treten sie am besten mit Ihnen in Kontakt?

Der PorTreat-Prozess umfasst in der Regel drei Termine. Diese bilden die Grundlage, um verschiedene Aspekte der Persönlichkeit kennenzulernen. Bei Bedarf können weitere Sitzungen folgen. Voraussetzung ist Offenheit und Neugier auf den Prozess.

Das Ergebnis ist nicht nur ein Bild, sondern eine sichtbare Form dessen, was im Prozess entstanden ist. Interessierte können mich über meine Website kontaktieren oder ein persönliches Informationsgespräch vereinbaren. PorTreat kann auch als Geschenk gebucht werden – als individuelle und nachhaltige Erfahrung.

Über Dr. Iraj Esmailpour Ghoochani

Dr. Iraj Esmailpour Ghoochani ist bildender Künstler, Coach und Gründer des IFEKT-Instituts. Zudem ist er permanentes Mitglied des IPSA-Instituts der Penn State University (USA). In seiner Arbeit verbindet er künstlerische Bildarbeit mit systemischem Denken und psychologischer Beratung. Die von ihm entwickelte Methode PorTreat steht für einen visuellen Zugang zu persönlicher Orientierung und Veränderung.

Leitmotiv von PorTreat

Dieses Vers von Rumi gilt als Leitmotiv für PorTreat:

آینه‌ی آهن برای پوست‌هاست
آینه‌ی سیمای جان سنگین‌بهاست

Der Spiegel aus Eisen ist für die äußere Hülle.
Der Spiegel, der das Antlitz der Seele zeigt, ist von großem Wert.

PorTreat versteht sich als dieser zweite Spiegel – nicht für die Oberfläche, sondern für die Seele.

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