Der Gender Pay Gap in Deutschland liegt weiterhin bei 16 Prozent. Frauen erhielten im Jahr 2025 durchschnittlich 22,81 Euro pro Stunde, Männer dagegen 27,05 Euro. Damit betrug der Verdienstunterschied 4,24 Euro pro Stunde. Hinter dieser Zahl steckt jedoch weit mehr als eine Differenz auf der Gehaltsabrechnung. Arbeitszeit, Berufswahl, Karrierewege, Elternschaft und unbezahlte Sorgearbeit beeinflussen, wie viel Geld Frauen während ihres gesamten Erwerbslebens verdienen.
Seit 2006 ist die Lohnlücke deutlich geschrumpft, doch Deutschland bleibt von einer vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern entfernt. Noch 2006 lag der unbereinigte Wert bei 23 Prozent, 2023 waren es 18 Prozent und seit 2024 sind es 16 Prozent.
Wer die Zahlen genauer betrachtet, entdeckt zudem enorme Unterschiede zwischen Ost und West, Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst sowie einzelnen Branchen. Genau diese Unterschiede zeigen, an welchen Stellen des Arbeitsmarktes sich die finanzielle Ungleichheit entwickelt.
Was versteht man unter Gender Pay Gap?

Der Gender Pay Gap misst den prozentualen Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern. Grundlage ist der durchschnittliche Verdienst der Männer.
Das Statistische Bundesamt folgt bei der Berechnung der einheitlichen Definition des europäischen Statistikamtes Eurostat. Für 2025 ergibt sich daraus ein unbereinigter Gender Pay Gap von 16 Prozent.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen unbereinigtem und bereinigtem Wert. Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht die Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern unabhängig von Tätigkeit, Qualifikation oder Erwerbsbiografie. Beim bereinigten Gender Pay Gap werden verfügbare lohnbestimmende Merkmale berücksichtigt.
Frauen mit vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie verdienten 2025 durchschnittlich noch sechs Prozent weniger pro Stunde als Männer. Rund 60 Prozent der unbereinigten Lohnlücke können nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit den verfügbaren Merkmalen statistisch in Zusammenhang gebracht werden.
Was der bereinigte Gender Pay Gap tatsächlich aussagt
Die sechs Prozent dürfen nicht automatisch mit sechs Prozent unmittelbarer Lohndiskriminierung gleichgesetzt werden. Statistische Bereinigungsverfahren können nur Faktoren berücksichtigen, die in den zugrunde liegenden Daten erfasst werden.
Ebenso wenig bedeutet der unbereinigte Wert von 16 Prozent, dass eine Frau für exakt dieselbe Tätigkeit grundsätzlich 16 Prozent weniger verdient als ein Mann.
Beide Kennzahlen beantworten vielmehr unterschiedliche Aspekte der Einkommensungleichheit. Der unbereinigte Wert bildet die Verdienstverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt insgesamt ab. Der bereinigte Wert nähert sich dem Verdienstunterschied zwischen Beschäftigten mit vergleichbaren Merkmalen an. Für eine sachliche Einordnung sind deshalb beide Werte relevant.
Die Lohnlücke ist seit 2006 deutlich kleiner geworden
Langfristig zeigt die Statistik einen Rückgang. Im Jahr 2006 lag der Gender Pay Gap noch bei 23 Prozent, 2016 bei 21 Prozent und 2021 bei 18 Prozent. Im Jahr 2024 sank der Wert erstmals auf 16 Prozent. Gegenüber 2023 bedeutete das einen Rückgang um zwei Prozentpunkte und damit die stärkste Verringerung seit Beginn der Berechnung im Jahr 2006.
Im Jahr 2025 setzte sich dieser Rückgang allerdings nicht fort. Die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen stiegen auf 22,81 Euro, die der Männer auf 27,05 Euro. Der Abstand blieb damit bei 16 Prozent. Das zeigt auch, weshalb Veränderungen von Durchschnittslöhnen nicht automatisch zu einer kleineren geschlechtsspezifischen Verdienstlücke führen.
Welche Gender Gaps gibt es in Deutschland?
Der Stundenlohn bildet nur einen Teil der wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland ab. Das Statistische Bundesamt verwendet deshalb zusätzlich den Gender Gap Arbeitsmarkt.
Dieser verbindet drei Komponenten und berücksichtigt neben dem Stundenverdienst auch die monatlich bezahlte Arbeitszeit sowie die Erwerbsbeteiligung. Für das Jahr 2025 lag dieser erweiterte Indikator bei 37 Prozent.
Die drei Komponenten zeigen, wie stark sich unterschiedliche Erwerbsverläufe auf das Einkommen auswirken:
- Gender Pay Gap mit 16 Prozent für den Unterschied beim durchschnittlichen Bruttostundenverdienst
- Gender Hours Gap mit 18 Prozent für den Unterschied bei den monatlich bezahlten Arbeitsstunden
- Gender Employment Gap mit 8 Prozent für den Unterschied bei der Erwerbsbeteiligung
Frauen kamen 2025 durchschnittlich auf 121 bezahlte Arbeitsstunden monatlich, Männer auf 148 Stunden. Bei der Erwerbstätigenquote standen 73,9 Prozent der Frauen 80,5 Prozent der Männer gegenüber. Werden Verdienst, Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung gemeinsam betrachtet, wird sichtbar, weshalb der wirtschaftliche Abstand erheblich größer sein kann als die reine Lohnlücke pro Stunde.
Gender Pay Gap in Deutschland: Ost, West und Arbeitsmarkt zeigen große Unterschiede

Ein deutschlandweiter Durchschnitt verdeckt erhebliche regionale Unterschiede. In Ostdeutschland lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 bei fünf Prozent, in Westdeutschland einschließlich Berlin bei 17 Prozent. Auch beim erweiterten Gender Gap Arbeitsmarkt ist der Abstand groß. Im Osten lag dieser bei 22 Prozent, im Westen bei 39 Prozent.
Auch die Arbeitszeit unterscheidet sich regional. Frauen im Osten kamen 2025 durchschnittlich auf 134 bezahlte Stunden monatlich, Frauen im Westen auf 119 Stunden. Bei Männern waren es 153 beziehungsweise 147 Stunden.
Die Zahlen zeigen, dass Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen nicht losgelöst von Arbeitszeit, Erwerbsbeteiligung und regionalen Arbeitsmarktstrukturen betrachtet werden können.
In welchem Beruf ist der Gender Pay Gap am größten?
Eine einzelne Berufsgruppe als eindeutigen Spitzenreiter auszuweisen, wäre auf Grundlage der aktuellen Destatis-Veröffentlichung irreführend, denn das Statistische Bundesamt veröffentlicht die gut vergleichbaren aktuellen Werte vor allem nach Wirtschaftszweigen.
Dort lagen 2025 Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen mit jeweils 25 Prozent an der Spitze. Im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Information und Kommunikation betrug der Gender Pay Gap jeweils 19 Prozent.
| Wirtschaftszweig | Gender Pay Gap 2025 |
|---|---|
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | 25 % |
| Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen | 25 % |
| Gesundheits- und Sozialwesen | 19 % |
| Information und Kommunikation | 19 % |
| Erziehung und Unterricht | 8 % |
| Gastgewerbe | 7 % |
| Verkehr und Lagerei | 3 % |
| Wasserversorgung, Abwasser und Abfallentsorgung, Umweltverschmutzungsbeseitigung | −2 % |
Deutlich geringer war der Abstand in Verkehr und Lagerei mit drei Prozent, im Gastgewerbe mit sieben Prozent sowie in Erziehung und Unterricht mit acht Prozent. In der Wasserversorgung, der Abwasser- und Abfallentsorgung sowie der Beseitigung von Umweltverschmutzungen lag der Wert bei minus zwei Prozent.
Frauen verdienten dort im Durchschnitt geringfügig mehr als ihre männlichen Kollegen. Die Zahlen beschreiben allerdings Durchschnittswerte eines Wirtschaftszweiges und keine Bezahlung gleicher oder gleichwertiger Arbeit innerhalb eines einzelnen Unternehmens.
Öffentlicher Dienst und Privatwirtschaft liegen weit auseinander
Noch deutlicher wird die Bedeutung von Arbeitsmarktstrukturen beim Vergleich der Sektoren. Im öffentlichen Dienst betrug der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 vier Prozent. In der Privatwirtschaft waren es 17 Prozent und damit mehr als viermal so viel.
Tarifstrukturen und stärker standardisierte Vergütungssysteme können zu geringeren individuellen Spielräumen bei der Gehaltsfestsetzung beitragen. Die Statistik allein beweist allerdings nicht, welcher einzelne Faktor den Unterschied verursacht. Sie zeigt zunächst, dass die Verteilung der Verdienste zwischen Frauen und Männern je nach institutionellem Umfeld erheblich voneinander abweicht.
Teilzeit, Sorgearbeit und Elternschaft beeinflussen die Einkommen
Die Arbeitszeit ist eine zentrale Dimension der finanziellen Ungleichheit. Frauen leisten im Durchschnitt weniger bezahlte Arbeitsstunden als Männer, während gleichzeitig ein größerer Teil der unbezahlten Arbeit auf sie entfällt.
Nach den revidierten Ergebnissen der Zeitverwendungserhebung 2022 arbeiteten Frauen insgesamt sogar etwas mehr als Männer, ihre Arbeitszeit setzte sich jedoch anders zusammen. Frauen leisteten knapp 29,5 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche, Männer knapp 20,5 Stunden. Der aktuelle Gender Care Gap für diese Erhebung beträgt 43,4 Prozent.
Zur unbezahlten Arbeit gehören unter anderem Haushaltsführung, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und freiwilliges Engagement. Diese Verteilung kann die Möglichkeiten für längere Erwerbsarbeitszeiten, berufliche Weiterentwicklung und Führungspositionen beeinflussen.
Der Gender Pay Gap in Deutschland entsteht deshalb nicht erst auf der monatlichen Gehaltsabrechnung. Ein Teil der wirtschaftlichen Unterschiede entwickelt sich über Erwerbsbiografien und die Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit.
Vom Stundenlohn bis zum Gender Pension Gap

Geringere Stundenverdienste und weniger bezahlte Arbeitsstunden können sich über Jahrzehnte summieren. Das wird spätestens im Ruhestand sichtbar. Nach den 2026 veröffentlichten Ergebnissen für das Jahr 2025 erhielten Frauen ab 65 Jahren mit Rente oder Pension durchschnittlich rund 1.820 Euro brutto an Alterseinkünften pro Monat. Männer kamen auf rund 2.400 Euro. Der Gender Pension Gap lag damit bei 24,2 Prozent.
Werden Hinterbliebenenrenten und Hinterbliebenenpensionen nicht einbezogen und nur eigenständige Alterseinkünfte betrachtet, steigt die Rentenlücke auf 36 Prozent. Der langfristige Trend zeigt allerdings eine Verringerung.
Einschließlich der entsprechenden Alterseinkünfte lag der Gender Pension Gap 2021 noch bei 29,8 Prozent, 2023 bei 26,9 Prozent und 2024 bei 25,8 Prozent. Die Entwicklung verdeutlicht, dass Equal Care und Equal Pay eng mit der finanziellen Situation im Alter verbunden sind.
Wann ist der Equal Pay Day 2026 in Deutschland?
Der Equal Pay Day fand in Deutschland 2026 am 27. Februar statt. Der Aktionstag übersetzt die statistische Lohnlücke symbolisch in Tage. Bei einem unbereinigten Gender Pay Gap von 16 Prozent soll das Datum veranschaulichen, wie lange Frauen rechnerisch ohne Bezahlung arbeiten würden, wenn Männer vom ersten Tag des Jahres an bezahlt würden.
Die Darstellung ist eine symbolische Veranschaulichung und keine Aussage darüber, dass Frauen bis zu diesem Datum tatsächlich unbezahlt arbeiten. Der Equal Pay Day macht vielmehr den durchschnittlichen Verdienstunterschied sichtbar.
2026 stand der Aktionstag unter dem Motto „Equal Pay Every Day“ und richtete den Blick stärker auf die Entwicklung finanzieller Unterschiede über den gesamten Lebensverlauf.
Mehr Entgelttransparenz soll gleiche und gleichwertige Arbeit stärken
Auch rechtlich bewegt sich das Thema. Die EU-Richtlinie 2023/970 soll den Grundsatz gleichen Entgelts für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit stärken.
Sie sieht unter anderem mehr Transparenz bei der Entgeltfestsetzung, Informationsrechte für Beschäftigte, Vorgaben für Stellenbewerberinnen und Stellenbewerber sowie Berichtspflichten für Unternehmen bestimmter Größen vor. Die Mitgliedstaaten hätten die notwendigen Vorschriften bis zum 7. Juni 2026 in Kraft setzen müssen.
Deutschland hat diese Frist jedoch verpasst. Noch im Juli 2026 teilte die Bundesregierung mit, dass Vorbereitungen für einen Gesetzentwurf getroffen worden seien und einzelne Punkte geklärt würden.
Auch Anfang September lag nach Angaben des Bundestages noch keine vollständige nationale Umsetzung vor. Welche konkreten Regeln Beschäftigte und Unternehmen in Deutschland am Ende erhalten, hängt deshalb vom deutschen Gesetzgebungsverfahren ab. Die Vorgaben der Richtlinie sollten nicht mit bereits vollständig geltendem deutschem Recht gleichgesetzt werden.
Fazit: Gender Pay Gap in Deutschland bleibt trotz Fortschritten hoch
Der Gender Pay Gap in Deutschland liegt nach den jüngsten verfügbaren Zahlen bei 16 Prozent unbereinigt und sechs Prozent bereinigt. Frauen verdienten 2025 durchschnittlich 22,81 Euro pro Stunde, Männer 27,05 Euro. Gleichzeitig zeigt der Gender Gap Arbeitsmarkt mit 37 Prozent, dass der Stundenlohn nur einen Teil der wirtschaftlichen Unterschiede erfasst. Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung vergrößern den Abstand erheblich.
Auch langfristige Folgen bleiben sichtbar. Der Gender Pension Gap lag 2025 bei 24,2 Prozent und ohne abgeleitete Hinterbliebenenleistungen bei 36 Prozent. Gleichzeitig zeigen fünf Prozent Lohnlücke in Ostdeutschland und vier Prozent im öffentlichen Dienst, dass der Abstand keineswegs überall gleich groß ist.
Seit 2006 hat sich die Lohnlücke von 23 auf 16 Prozent verkleinert. Die aktuellen Daten zeigen damit sowohl Fortschritte als auch die Bereiche, in denen die Gleichstellung auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiterhin nicht erreicht ist.


