Warum ist der Sprit wieder so teuer? Mitte September 2026 erreichten die Preise an deutschen Tankstellen historische Höhen. Am 17. September kostete Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,308 Euro pro Liter, Diesel sogar 2,471 Euro. Damit waren beide Kraftstoffe so teuer wie nie zuvor. Innerhalb nur einer Woche hatte sich Diesel zuvor um mehr als zehn Cent je Liter verteuert.
Hinter dem Preisschub steckt allerdings weit mehr als ein gestiegener Ölpreis. Militärische Konflikte, knappe Raffineriekapazitäten, hohe Margen bei fertigen Kraftstoffen und Transportprobleme treffen auf Steuern und die CO₂-Bepreisung.
Vor allem der ungewöhnlich hohe Dieselpreis zeigt, weshalb ein Blick auf den Rohölmarkt allein inzwischen nicht mehr ausreicht. Wer die einzelnen Preisbestandteile kennt, versteht auch besser, weshalb sinkendes Rohöl nicht automatisch sofort für Entlastung an der Tankstelle sorgt.
Spritpreise auf Rekordniveau: Warum Benzin und Diesel so teuer sind

Noch Ende August hatte ein Liter Super E10 im Monatsdurchschnitt 2,145 Euro gekostet, Diesel lag bei 2,223 Euro. Wenige Wochen später wurden neue Rekordwerte gemessen. Parallel stieg der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent bis Mitte September auf knapp 110 US-Dollar.
Der ADAC betont allerdings, dass Ölpreis und Wechselkurs das hohe Niveau der Kraftstoffpreise nur teilweise rechtfertigen.
Eine zentrale Rolle spielen die geopolitischen Spannungen. Militärische Auseinandersetzungen mit dem Iran haben den Ölmarkt belastet und Risiken für Lieferwege im Nahen Osten erhöht.
Die Straße von Hormus ist für den weltweiten Ölhandel ein neuralgischer Punkt. Bereits Anfang September hatte der ADAC einen Anstieg von Brent auf rund 95 Dollar je Barrel mit erneuten militärischen Schlägen zwischen den USA und dem Iran in Verbindung gebracht.
Der Rohölpreis allein reicht als Erklärung nicht mehr
Tankstellen kaufen kein Rohöl, sondern fertiges Benzin und fertigen Diesel. Zwischen beiden Märkten liegen Raffinerie, Lagerung, Transport und Handel. Deshalb kann sich der Großhandelspreis für Kraftstoff zeitweise deutlich vom Rohölpreis lösen. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt, dass sich die Großhandelspreise je nach Angebot und Nachfrage eines Produkts kurzfristig eigenständig entwickeln können.
Hier kommt die sogenannte Raffineriemarge ins Spiel, international häufig als „Crack Spread“ bezeichnet. Sie beschreibt vereinfacht die Differenz zwischen dem Wert des eingesetzten Rohöls und dem Preis der daraus gewonnenen Produkte.
Mitte September erreichten die Raffineriemargen für schwefelarmen Diesel in Asien laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG mehr als 87 Dollar je Barrel und damit ein Rekordniveau.
Warum Diesel teurer als Benzin ist
Eigentlich besitzt Diesel in Deutschland einen steuerlichen Vorteil. Die reguläre Energiesteuer beträgt für Benzin 65,45 Cent je Liter, für Diesel dagegen 47,04 Cent. Trotzdem lag der Dieselpreis Mitte September deutlich über dem Preis von Super E10.
Der Grund liegt derzeit vor allem auf dem internationalen Produktmarkt. Diesel gehört gemeinsam mit Heizöl und Kerosin zu den Mitteldestillaten. Die weltweite Versorgung ist durch Ausfälle und Störungen von Raffinerien sowie eingeschränkte Lieferungen aus Russland und dem Nahen Osten angespannt. Branchenvertreter rechnen damit, dass die globale Dieselversorgung über den Winter knapp bleibt.
Herbst und Heizöl erhöhen den Druck
Mit Beginn der kälteren Jahreszeit steigt zusätzlich die Nachfrage nach Heizöl. Diesel und Heizöl konkurrieren teilweise um ähnliche Raffineriekapazitäten. Ist das Angebot knapp, kann der Preis für Diesel gegenüber Rohöl stärker steigen als der Benzinpreis.
Die Lage könnte länger anhalten. Aktuelle Marktanalysen gehen davon aus, dass die globale Dieselknappheit bis ins Jahr 2027 reichen kann. Niedrige Lagerbestände, eingeschränkte Lieferketten und hohe Raffineriemargen machen Diesel auf dem Weltmarkt derzeit anfälliger für weitere Störungen.
Warum ist der Sprit wieder so teuer, obwohl Rohöl nicht alles erklärt?

Warum ist der Sprit wieder so teuer, obwohl frühere Rohölrekorde teilweise höher lagen? Entscheidend ist die gesamte Lieferkette. Neben Rohöl und Raffinerie beeinflussen Transportkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, Steuern und regionale Versorgungslagen die Preise an der Tankstelle. Das erklärt auch, weshalb einzelne Regionen zeitweise deutlich teurer sein können als andere.
Im Sommer kam ein ungewöhnlicher Faktor hinzu. Historisches Niedrigwasser am Rhein erschwerte den Transport von Kraftstoff zu Tanklagern. Binnenschiffe konnten weniger Ladung aufnehmen, wodurch die Transportkosten pro Tonne stiegen.
Im August zeigte eine Auswertung des ADAC entsprechend hohe Preise in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz, während weniger vom Rhein abhängige Regionen günstiger abschnitten.
Steuern und CO₂-Preis bleiben feste Bestandteile
Der CO₂-Preis bewegt sich 2026 in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. Bei einem mittleren Wert von 60 Euro entspricht das rechnerisch einschließlich Mehrwertsteuer ungefähr 17 Cent pro Liter Benzin und rund 19 Cent pro Liter Diesel. Hinzu kommen Energiesteuer und 19 Prozent Mehrwertsteuer.
Die CO₂-Bepreisung ist damit ein relevanter Teil des Endpreises, sie erklärt den jüngsten sprunghaften Anstieg jedoch nicht allein. Im Mai und Juni hatte der Staat die Energiesteuer für beide Kraftstoffe vorübergehend um 14,04 Cent je Liter gesenkt.
Einschließlich des Umsatzsteuereffekts entsprach der damalige Tankrabatt einer Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Nach dem Ende dieser Maßnahme entfiel diese Entlastung wieder.
Wann wird Benzin endlich wieder billiger?
Eine belastbare Prognose für einen konkreten Preis oder Zeitpunkt ist kaum möglich. Erste Entspannung war zuletzt bereits sichtbar. Nach den Rekordwerten vom 17. September sank Super E10 bis Sonntag auf durchschnittlich 2,279 Euro und Diesel auf 2,446 Euro. Ein wesentlicher Faktor war der wieder fallende Rohölpreis.
Eine dauerhafte Rückkehr zu deutlich niedrigeren Preisen hängt jedoch von mehreren Entwicklungen gleichzeitig ab. Entscheidend sind die geopolitische Lage, die Versorgung mit fertigen Kraftstoffen, Raffineriekapazitäten und Lagerbestände. Vor allem bei Diesel bleibt die Lage angespannt. Aktuelle Branchenanalysen erwarten eine knappe globale Versorgung bis weit in das Jahr 2027 hinein.
Soll der Sprit wirklich teurer werden?
Für 2027 plant die Bundesregierung derzeit keinen zusätzlichen Sprung beim nationalen CO₂-Preis. Ihr Gesetzentwurf sieht vor, den Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne auch im kommenden Jahr beizubehalten. Diese Änderung ist zum Stand vom 21. September allerdings noch nicht beschlossen. Die erste Beratung im Bundestag ist für den 24. September vorgesehen.
Hintergrund ist die Verschiebung des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr auf 2028. Mit dessen Einführung wird die Preisbildung stärker vom Handel mit Zertifikaten abhängen. Welche Mehrkosten daraus an der Zapfsäule entstehen, lässt sich heute nicht seriös auf einen festen Centbetrag festlegen, weil der künftige Zertifikatspreis nicht feststeht.
Wie oft darf der Spritpreis am Tag erhöht werden?

Seit dem 1. April 2026 gilt in Deutschland eine neue Regel. Tankstellen dürfen die Preise für E5, E10 und Diesel nur einmal pro Tag erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Preissenkungen sind hingegen zu jeder Tageszeit und beliebig oft zulässig. Das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz orientiert sich damit am österreichischen Modell.
Für Autofahrer hat sich dadurch der Tagesrhythmus verändert. Der ADAC empfiehlt derzeit, möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken, weil die Preise zu diesem Zeitpunkt im Tagesverlauf häufig niedrig sind. Nach der Erhöhung um 12 Uhr sinken sie im weiteren Tagesverlauf häufig schrittweise.
Aktuelle Preise von mehr als 14.000 Tankstellen lassen sich über die von der Markttransparenzstelle gespeisten Preisvergleichsdienste miteinander vergleichen.
Fazit: Warum ist der Sprit wieder so teuer?
Warum ist der Sprit wieder so teuer, lässt sich 2026 nicht mit einem einzelnen Preistreiber beantworten. Rohöl ist teurer geworden, doch zugleich treiben knappe Raffineriekapazitäten, hohe Margen für fertige Kraftstoffe, geopolitische Risiken und Transportprobleme die Kosten. Vor allem Diesel hat sich dadurch vom Rohölpreis stärker entkoppelt und kostet trotz niedrigerer Energiesteuer derzeit mehr als Benzin.
Kurzfristige Preisrückgänge bleiben möglich, sobald Rohöl günstiger wird oder sich die Versorgung entspannt. Für eine nachhaltige Rückkehr zu deutlich niedrigeren Spritpreisen müssten sich jedoch mehrere Faktoren gleichzeitig verbessern.
Bis dahin lohnt sich vor allem der Preisvergleich zwischen Tankstellen. Seit Einführung der 12 Uhr Regel bietet sich dafür häufig der Vormittag kurz vor der einmal täglich erlaubten Preiserhöhung an.


