Lydia Erkus begleitet Frauen dabei unbewusste Muster zu erkennen alte Prägungen zu lösen und wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen. In ihrer Arbeit verbindet sie fundiertes psychologisches Wissen mit einem tiefen Verständnis für das Unbewusste und eigener Lebenserfahrung. Im Fokus steht nicht die Vergangenheit allein sondern die bewusste Neuausrichtung im Hier und Jetzt.
Im Interview mit Baden1 spricht Lydia Erkus darüber warum Erschöpfung oft ein inneres Warnsignal ist wie Beziehungsmuster entstehen und weshalb echte Veränderung erst dann möglich wird wenn Selbstverbundenheit wieder Raum bekommt. Ein Gespräch über innere Stärke Klarheit und den Mut sich selbst ernst zu nehmen.
Lydia Erkus im Interview

Frau Erkus, was hat Sie persönlich in Ihre heutige Arbeit geführt?
Mein Weg in diese Arbeit begann lange, bevor ich ihn bewusst gewählt habe.
Schon früh habe ich mich intensiv mit Psychologie, Persönlichkeitsentwicklung und inneren Prozessen beschäftigt und zahlreiche Ausbildungen in diesem Bereich absolviert. Theorie war immer ein wichtiger Bestandteil meines Weges, sie schafft Verständnis, Struktur und Orientierung.
Doch das Leben selbst wurde mein tiefster Lehrmeister. Mit der Zeit habe ich erkannt, dass das, was uns im Außen begegnet, oft ein innerer Spiegel ist. Beziehungen, Krisen und wiederkehrende Muster zeigen uns klar, wo wir uns selbst noch nicht wirklich sehen oder ernst nehmen.
Dabei wurde mir immer bewusster, welche zentrale Rolle das Unbewusste spielt. Ein großer Teil unserer Entscheidungen, Reaktionen und Beziehungsmuster wird nicht rational gesteuert, sondern von inneren Glaubenssätzen und Prägungen, die oft weit in die Kindheit zurückreichen. Genau dort entstehen Überzeugungen darüber, wie viel wir wert sind, wie Liebe funktioniert und was wir glauben, aushalten zu müssen.
Ich habe diese Zusammenhänge nicht nur theoretisch verstanden, sondern selbst durchlebt. Ich kenne das Gefühl, trotz Wissen immer wieder in dieselben Muster zu geraten, Grenzen zu verlieren und den eigenen Wert infrage zu stellen. Genau an diesem Punkt wurde mir klar: Theorie kann erklären, doch echte Veränderung geschieht dort, wo wir vorwärts blicken und dabei das Unbewusste einbeziehen.
Genau hier setze ich heute mit meiner Arbeit an. Ich unterstütze Menschen dabei, unbewusste Muster und Blockaden sichtbar zu machen und alte Glaubenssätze zu lösen. Doch dabei bleiben wir nicht stehen. Der eigentliche Fokus liegt darauf, neue innere und äußere Erfahrungen zu ermöglichen, im Hier und Jetzt und mit Blick nach vorn.
Vergangenes darf verstanden und gelöst werden, damit Entwicklung wieder möglich wird. Danach geht es darum, das eigene Leben bewusst weiter zu gestalten, neue Wege zu gehen und sich innerlich neu auszurichten.
Diese Verbindung aus fundierter Ausbildung, tiefem Verständnis für das Unbewusste und eigener Lebenserfahrung prägt meine Arbeit. Denn wer nicht nur weiß, sondern selbst gefühlt hat, arbeitet mit anderer Tiefe.
So entstand auch mein Buch „Zwischen Schatten und Licht“. Es vermittelt nicht nur das Wissen, sondern führt direkt in die Umsetzung.
Woran merken Frauen zuerst, dass etwas in ihrem Leben nicht mehr passt?
Oft ist es kein konkretes Ereignis, sondern ein inneres Ungleichgewicht. Viele Frauen spüren einfach eine tiefe Erschöpfung, innere Unruhe oder das Gefühl, sich selbst verloren zu haben, obwohl manchmal im Außen noch alles scheinbar funktioniert. Sie leben angepasst, leistungsfähig, verantwortungsvoll, aber innerlich leer.
Auf unbewusster Ebene zeigt sich hier häufig ein innerer Konflikt: alte Glaubenssätze aus der Kindheit wie „ich muss stark sein“, „ich darf keine Last sein.“ oder „Liebe muss man sich verdienen“. Diese Überzeugungen wirken im Hintergrund und führen dazu, dass eigene Bedürfnisse übergangen werden.
Der Körper meldet sich oft zuerst, durch Anspannung, Schlafprobleme oder emotionale Überforderung. Diese Signale sind kein Versagen, sondern Hinweise des Unbewussten, dass etwas gesehen und verändert werden möchte. Hört man nicht darauf, werden diese Signale oft immer deutlicher.
Was verändert sich, wenn alte Beziehungsmuster losgelassen werden?
Wenn alte Muster gelöst werden, verändert sich nicht nur das Verhalten, sondern auch die innere Haltung. Frauen beginnen zu verstehen, warum sie immer wieder in ähnliche Dynamiken geraten sind und genau dieses Verstehen schafft Wahlfreiheit.
Auf unbewusster Ebene lösen sich alte Bindungs- und Schutzstrategien, die einst sinnvoll waren, heute aber begrenzen. Dadurch entsteht innere Ruhe. Beziehungen werden klarer, ehrlicher und weniger von Angst oder Anpassung geprägt.
Viele erleben zum ersten Mal, dass Nähe nicht mit Selbstverlust einhergehen muss. Sie setzen Grenzen ohne Schuldgefühl und treffen Entscheidungen aus innerer Klarheit statt aus alten Mustern heraus. Das Leben fühlt sich nicht mehr wie ein Kampf an, sondern wie ein bewusster Gestaltungsprozess.
Warum ist Selbstverbundenheit für Sie der Schlüssel zu innerer Stärke?
Weil wir nur dann wirklich handlungsfähig sind, wenn wir mit uns selbst in Kontakt stehen. Selbstverbundenheit bedeutet, die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und inneren Impulse wahrzunehmen, auch die unbequemen.
Viele Frauen haben gelernt, sich selbst zu regulieren, indem sie sich anpassen oder kontrollieren. Dahinter wirkt oft ein unbewusster Schutzmechanismus, den ich als den inneren „Bodyguard“ beschreibe. Er will vor Schmerz schützen, verhindert aber gleichzeitig die Entwicklung.
Innere Stärke entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Verbindung. Wenn wir lernen, uns selbst zuzuhören und unsere inneren Muster zu verstehen, entsteht Stabilität von innen heraus. Genau dort liegt nachhaltige Kraft, die nicht abhängig vom Außen ist.
Lydia Erkus über den Mut zur inneren Neuausrichtung

Welche Stärken entdecken Ihre Klientinnen häufig neu?
Sehr häufig entdecken sie Ihre Intuition wieder. Diese innere Stimme, die lange überdeckt war von Erwartungen, Anpassung und alten Glaubenssätzen, oft auch zusätzlich aus Beziehungen, in denen die eigenen Gefühle relativiert, verdreht oder nicht ernst genommen wurden.
Sie lernen, sich selbst zu vertrauen, nicht aus dem Kopf, sondern aus einem inneren Gefühl von Sicherheit und Stimmigkeit. Viele erkennen Ihre emotionale Kompetenz neu: Ihre Fähigkeit, wahrzunehmen, zu reflektieren und bewusst zu handeln, statt sich selbst in Frage zu stellen. Besonders nach Erfahrungen mit toxischen oder narzisstischen Dynamiken wird spürbar, wie stark diese Fähigkeit zuvor unterdrückt war. Gefühle werden angepasst, erklärt oder zurückgehalten, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. In der Arbeit entsteht wieder Zugang zu dem, was wirklich gefühlt wird, und was diese sagen wollen.
Auch Selbstmitgefühl wird zu einer tragenden Stärke, nicht als Schwäche, sondern als klare innere Haltung. Sich selbst ernst zu nehmen, statt weiter zu kritisieren oder zu überfordern. Viele Klientinnen erkennen, dass sie nicht „zu sensibel“ waren, sondern sehr feinfühlig, in einem Umfeld, das dafür keinen Raum ließ.
Oft sagen Frauen „Ich fühle mich zum ersten Mal wirklich bei mir!“. Diese Rückverbindung verändert nicht nur Beziehungen, sondern das gesamte Lebensgefühl. Sie ermöglicht neue Klarheit, gesunde Grenzen und die Fähigkeit, sich aus destruktiven Mustern zu lösen und Beziehungen künftig bewusster, gleichwertiger und freier zu gestalten.
Was möchten Sie Frauen sagen, die Veränderung spüren, aber zögern?
Zögern ist kein Widerstand gegen Veränderung, sondern oft das Unbewusste, das Sicherheit sucht. Alte Muster sind vertraut, selbst wenn sie Schmerz bringen. Das anzuerkennen ist ein wichtiger erster Schritt.
Wenn du spürst, dass etwas nicht mehr stimmig ist, ist das ein Hinweis auf dich selbst zu hören. Veränderung beginnt mit Ehrlichkeit, dir selbst gegenüber und dem Mut hinzuschauen.
Es ist möglich, alte Prägungen und unbewusste Blockaden sanft zu erkennen und nach und nach loszulassen. Viele Frauen berichten, dass genau dieser Prozess eine neue Klarheit, innere Stärke und Selbstverbundenheit eröffnet, die das Leben nachhaltig verändert.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Wer sich öffnet und Unterstützung annimmt, erfährt oft, wie viel leichter und klarer Veränderung gelingt, wenn man das Unbewusste bewusst einbezieht. So entsteht Schritt für Schritt ein Leben, das nicht nur richtig, sondern wirklich stimmig und eigen ist.
Und am Ende zeigt sich oft etwas, das wir uns vorher kaum vorstellen konnten: ein tiefes Vertrauen in uns selbst, in unsere Fähigkeiten und in die eigene Lebensrichtung, eine innere Ruhe, die uns trägt und weiterführt, egal welche Herausforderungen noch kommen.
Über Lydia Erkus
Lydia Erkus begleitet Frauen als Mentorin dabei, innere Muster zu erkennen, neu auszurichten und wieder in eine klare Verbindung zu sich selbst zu finden. Geprägt durch eigene persönliche Herausforderungen setzte sie sich früh intensiv mit Psychologie und inneren Entwicklungsprozessen auseinander.
In ihrer Arbeit als junge Pädagogin wurde ihr bewusst, wie tief frühkindliche Prägungen wirken und wie stark unbewusste neuronale Muster unser Erleben im Erwachsenenalter beeinflussen. Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich über viele Jahre hinweg ihre heutige Tätigkeit als Beraterin und Mentorin. Ihr Ansatz verbindet wissenschaftlich fundiertes Wissen mit einem tiefen Verständnis für unbewusste Prozesse und Beziehungsmuster und unterstützt Frauen dabei, nachhaltige Veränderung im Hier und Jetzt zu ermöglichen und ihren Lebensweg bewusst und selbstbestimmt zu gestalten.


