29,4 Grad. Nachts. In Kubschütz, Sachsen, nicht in Dubai. Wer in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni wach lag und dachte, die Luft im Schlafzimmer fühle sich an wie aus dem Fön geblasen, hatte recht: Es war die wärmste je in Deutschland gemessene Nacht, zwei Grad heißer als der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003. Und das war nur der Auftakt zu einem Sommer, der gerade dabei ist, sämtliche Erwartungen zu sprengen.
Wie lange dauert die Hitzewelle? Diese Hitzewelle hält sich noch bis etwa zum kommenden Wochenende, dem 17. oder 18. Juli.
Dann kündigt der DWD ein Tief an, das kühlere Nordwestluft, Gewitter und Starkregen bringt – die extreme Phase ist damit vorerst vorbei, auch wenn der Sommer insgesamt weiter zu warm bleibt.
Warum die Luft gerade einfach nicht abkühlen will
Um zu verstehen, warum sich diese Hitze so hartnäckig hält, muss man sich den sogenannten Siebenschläfer-Effekt anschauen – und nein, das ist kein Bauernkalender-Aberglaube, sondern reale Meteorologie.
Um den Siebenschläfertag herum, Ende Juni, hat sich eine Großwetterlage eingependelt, die seither kaum wackelt: eine blockierende Hochdruckzone, die sich vom Mittelmeer bis zu den Britischen Inseln zieht.
Wie ein Deckel liegt sie über Mitteleuropa und pumpt unaufhörlich heiße Luft zu uns. Genau diese Stabilität ist das Problem. Normale Hitzephasen werden nach ein paar Tagen von durchziehenden Tiefs unterbrochen. Diese hier nicht.
Und dann kommt noch ein zweiter Faktor dazu, der die Sache verschärft: das Niederschlagsdefizit. Es hat einfach zu wenig geregnet in diesem Sommer.
Trockene Böden können aber keine Verdunstungskälte mehr abgeben – ein Effekt, den Meteorologen Dürre-Feedback nennen. Feuchter Boden kühlt die Luft darüber, trockener Boden heizt sie zusätzlich auf. Die Trockenheit befeuert also die Hitze, und die Hitze befeuert die Trockenheit. Ein Teufelskreis, der sich gerade selbst am Laufen hält.
40-Grad-Marke Allzeitrekord zum aktuellen Hoch: Eine kurze Chronologie

Damit die Dimensionen klar werden: Am 27. Juni 2026 kletterte das Thermometer in Möckern-Drewitz, Sachsen-Anhalt, auf 41,8 Grad. Der höchste Wert, der seit Beginn der deutschen Wetteraufzeichnungen 1881 je gemessen wurde.
Kein regionaler Ausreißer, sondern ein nationaler Allzeitrekord.
Wer jetzt denkt, das sei der Höhepunkt gewesen und danach ginge es bergab – falsch gedacht. Am vergangenen Wochenende, dem 11. und 12. Juli, wurden in Ohlsbach und Waghäusel-Kirrlach bereits wieder knapp 35 Grad gemessen. Und der DWD rechnet für die laufende Woche mit Werten zwischen 31 und 37 Grad. Besonders von der Hitze betroffen ist wie so oft der Südwesten:
Baden-Württemberg und die Oberrheinebene gehören traditionell zu den Hotspots, wenn sich Hitze in Deutschland festsetzt, weil die Rheinebene wie ein Trichter wirkt, in dem sich warme Luft staut.
Wer dort wohnt, kennt das Muster inzwischen fast zu gut.
Reicht es noch mal für 40 Grad?
Diese Frage bekomme ich gerade ständig gestellt, und die ehrliche Antwort lautet: möglich, aber nicht sicher.
Die aktuellen Prognosen sehen die 40-Grad-Marke in dieser Woche nicht flächendeckend, lokal ist bei günstiger Windrichtung und trockenen Böden aber durchaus noch mal ein Ausreißer über 40 oder sogar Richtung 42 Grad denkbar – vor allem in den bekannten Hitzepolen im Oberrheingraben.
Wetterfrösche bei SWR Aktuell und dem DWD sprechen unisono davon, dass die kommenden Tage zu den intensivsten Wüstentagen des Jahres zählen dürften. Als Wüstentag gilt ein Tag mit mindestens 35 Grad – und davon dürften wir diese Woche gleich mehrere sammeln.
Das Wochenende bringt die Wende – aber keine Entwarnung für die nächste Hitzewelle
Wie lange dauert die Hitzewelle noch? Der DWD zeichnet für das Wochenende des 17./18. Juli ein deutlich anderes Bild. Ein Tiefdrucksystem zieht heran, bringt feuchtere und spürbar kältere Luft aus Nordwesten mit sich – und mit ihr ein hohes Potenzial für kräftige Gewitter, Starkregen und Hagel.
Aus meteorologischer Sicht ist das eine klassische Kaltfrontpassage nach einer lang anhaltenden Hochdruckblockade:
Je länger sich Hitze aufstaut, desto energiegeladener fällt meist der Wetterwechsel aus.
Wer also draußen unterwegs ist, sollte die Wettervorhersagen fürs Wochenende im Blick behalten – Unwetterwarnungen sind bei so einem Umschwung keine Seltenheit.
Was mich an dieser Entwicklung aber am meisten umtreibt: Die Erleichterung wird nur von kurzer Dauer sein. Modelle der US-Wetterbehörde NOAA berechnen sowohl den Juli als auch – noch deutlicher – den August 2026 im Mittel als spürbar zu warm und zu trocken.
Nach dem Gewitterwochenende ist nicht Schluss mit der Hitze, sondern eher eine Verschnaufpause vor der nächsten Runde.
Wer hofft, nach dem 18. Juli seien 20 Grad und laue Sommerabende die neue Normalität, dürfte enttäuscht werden.
Zwei Zahlen, die zeigen, wie ernst die Lage wirklich ist in Baden-Württenberg
Neben den Temperaturrekorden gibt es zwei Entwicklungen, die in der öffentlichen Debatte oft untergehen, obwohl sie langfristig relevanter sind als jeder einzelne Hitzetag.
Erstens: der Bodensee. Der Pegel Konstanz zeigte Ende Juni mit 3,30 Metern den niedrigsten Juni-Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen. Fast ein ganzer Meter fehlt zum langjährigen Mittel – und das schon so früh im Sommer.
Weil der Winter zu wenig Schnee in den Alpen brachte, fehlt jetzt die Schneeschmelze als Wassernachschub. Gleichzeitig verdunstet durch die Hitze ohnehin schon mehr Wasser als normal.
Zweitens: die Kraftwerke. Weil sich Flüsse durch die anhaltende Hitze stark aufheizen, mussten erste Kraftwerke in Deutschland und den Nachbarländern bereits ihre Leistung drosseln. Der Grund: Kühlwasser darf aus ökologischen Gründen nicht beliebig warm in Flüsse zurückgeleitet werden, sonst drohen Fischsterben und Sauerstoffmangel im Wasser.
Diese Drosselungen sind noch kein Blackout-Risiko, aber ein handfestes Beispiel dafür, wie Extremwetter längst in die Infrastruktur unseres Alltags hineinreicht – nicht nur ins Freibad-Thermometer.
Warum verträgt man im Alter die Hitze eigentlich nicht mehr?

Ein Punkt, der bei all den Rekordmeldungen oft zu kurz kommt: Hitze ist nicht für jeden gleich gefährlich. Mit zunehmendem Alter lässt das Durstgefühl nach, der Körper meldet Flüssigkeitsmangel also später und schwächer. Gleichzeitig funktioniert die Schweißproduktion nicht mehr so effizient wie in jüngeren Jahren, wodurch die körpereigene Kühlung schlechter greift.
Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen Medikamente einnehmen, etwa Blutdrucksenker oder Entwässerungstabletten, die den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt zusätzlich beeinflussen.
Die Kombination aus diesen drei Faktoren erklärt, warum gerade bei Nächten wie der in Kubschütz mit fast 30 Grad die Zahl hitzebedingter Notfälle bei älteren Menschen typischerweise deutlich ansteigt. Für Angehörige heißt das ganz praktisch: in solchen Phasen aktiv ans Trinken erinnern, nicht abwarten, bis Durst signalisiert wird.
Was das für die kommenden Tage konkret bedeutet
Für alle, die jetzt wissen wollen, wie sie sich einrichten sollen: Bis zum Wochenende bleibt es heiß, stellenweise sehr heiß, mit einzelnen Wüstentagen und der Möglichkeit lokaler Ausreißer nahe oder über 40 Grad.
Ab Freitag oder Samstag wird es unruhiger – Gewitter, Starkregen, spürbar kühlere Luft.
Wer draußen arbeitet oder Sport treibt, sollte die Vormittagsstunden nutzen und die Nachmittagshitze meiden. Und wer nach dem Wochenende auf Dauerentspannung hofft: Laut den aktuellen NOAA-Prognosen wird auch der restliche Juli und besonders der August im Schnitt zu warm und zu trocken bleiben.
Der Sommer 2026 legt gerade eine Pause ein, keinen Rückzug.


