Volker Willrodt begleitet Menschen dort, wo Worte oft fehlen und klassische Diagnosen nicht weitertragen. Seine Arbeit verbindet Heilpraktik, Tiefenpsychologie, mediale Wahrnehmung und Trauerbegleitung zu einem Ansatz, der den Menschen als fühlendes Wesen in seinem gesamten inneren Erleben wahrnimmt. Wer zu ihm kommt, sucht keinen schnellen Rat, sondern einen Raum, in dem Schmerz, Wandlung und Sinnfragen nebeneinander bestehen dürfen.
Viele seiner Klientinnen und Klienten erleben zum ersten Mal, dass sie mit allem gesehen werden was in ihnen wirkt. Genau daraus entsteht Bewegung. Nicht über Analyse, sondern über echte Begegnung. Im folgenden Interview spricht er über seinen Weg, über Trauer als Übergang und darüber wie Veränderung beginnen kann wenn ein Mensch wieder Zugang zu sich selbst findet.
Volker Willrodt im Interview

© Alex Jung
Welcher Moment hat Sie zu Ihrer seelischen Begleitungsarbeit geführt?
Menschen durch das weite Land der Seele zu begleiten – das war für mich selbst erst einmal ein Weg durch die eigene Seele bis an ihre Grenzen, wo die Kategorien des Alltags kaum mehr gelten. Begonnen hat es mit einer spirituellen Erfahrung, als ich achtzehn Jahre alt war.
Sie trat völlig überraschend in mein Leben und stellte meine bisherigen beruflichen Pläne radikal in Frage. Mir wurde unabweisbar deutlich, dass ich aus dieser Erfahrung heraus ein „Begleiter“ werden muss, ein „Wegbegleiter“.
Während des Studiums der Vergleichenden Religionswissenschaft wurde mir das Werk des Schweizer Psychotherapeuten Carl Gustav Jung zu einem Schlüssel für das grundlegende Verständnis des Menschen. Sein tiefenpsychologisches, sinnorientiertes Konzept, dass eine umfassende Wirklichkeit nicht ausschloss eröffnete mir einen neuen Zugang zur Psychotherapie.
Ich beschäftigte mich mit Mythen, Märchen und Religion, mit Ägyptologie, Tibetologie, Altorientalistik, Schamanismus, Ethnologie und Psychologie, bis ich schließlich mit der Initiatischen Therapie konfrontiert wurde, die Analytischen Psychotherapie genauso berücksichtigte wie Kreativ- und Leibtherapie, Astrologie, Tarot, Za-Zen, Achtsamkeit und Spiritualität.
Die Begegnung mit ihrem Begründer Graf Dürckheim an seinem Sterbebett war für mich ein Schlüsselerlebnis, das mich in meiner Gewissheit bestärkte, Menschen nicht rein psychologisch zu begleiten, sondern eine größere Dimension miteinzubeziehen.
Meine spätere Tätigkeit als Trauerredner und Trauerbegleiter hängt damit zusammen. Viele Jahre war ich dann freiberuflich therapeutisch tätig in der Schule für Initiatische Therapie und in einer psychosomatischen Klinik.
Neben dem klassischen diagnostischen Handwerkszeug, das mir dort vertraut wurde, habe ich mir die Rückmeldungen der Patienten zu Herzen genommen, die mir vermittelten, dass ich etwas anders mache als die Kollegen bis hin zum – nicht ganz oder doch ein bisschen ernst gemeinten – Verdacht, ich besäße eine Kristallkugel, da ich unmöglich so viel wissen könnte, was das Thema und das Schicksal eines Menschen sei und welches der Lösungs- und Erlösungsweg ist.
Ich bin wohl, dachte ich mir da, auf dem richtigen Weg.
Wie arbeiten Sie, wenn nicht Diagnosen, sondern echte Begegnung im Mittelpunkt stehen?
Die Orientierung an einem größeren Kontext, in dem wir Menschen stehen, leugnet keine Diagnostik, aber relativiert sie. Mir gegenüber ist erst einmal ein Mensch, der leidet und sucht. Vorschnelle Diagnose verhindert oft, diesen Menschen in seinem ganz Eigenen zu sehen und sein Schicksal zu begreifen und auf was hin sein Leiden eigentlich gerichtet ist.
Denn oft ist es ja so, dass das Symptom wie ein Wegweiser ist – nicht unbedingt ursächlich in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft, wohin ein Mensch sich entwickeln soll. Mitunter kommen Patienten zu mir und erklären zu Beginn der Therapie: „Ich habe eine Depression.“ Oder „Ich habe ADHS“ oder „Ich habe eine PTBS“. Ich will aber nicht wissen, was er hat, sondern, wer er ist. Diese Fragestellung kann sehr befreiend sein und hilft oft, ganz neu auf das eigene Leben zu schauen und zu sehen, dass man mehr ist als diese Krankheit.
Wir sind heute viel zu darauf versessen, alles einzuordnen, statt den eigenwilligen Flugbahnen der Seele aufmerksam zuzuschauen, sie zu verstehen. Selbstverständlich gibt es konkrete Erkrankungen, die zumindest zeitweise medikamentös oder psychiatrisch begleitet sein wollen. Eine Zusammenarbeit aller Heilenden, wie es in England und der Schweiz teilweise üblich ist, wäre sicher auch bei uns optimal.
Wenn der an was auch immer leidende Mensch vor allem als Mensch wahrgenommen wird, gibt das eine eigene Würde und Größe und das ist oft der Anfang der Heilung, die stets den ganzen Menschen betrifft. Und man darf nicht vergessen, dass es bei der Heilung um Heil geht und das ist immer etwas mehr als Gesundheit. Gesundheit endet spätestens auf dem Sterbebett, das Heil nicht.
Wie erleben Menschen Ihre Begleitung in Trauerzeiten und woran erkennen Sie Veränderung?
Solche Erfahrungen stellen einen Menschen an eine existenzielle Grenze, die kaum auszuhalten ist, weil alles Gewohnte und Vertraute plötzlich nicht mehr gültig ist. Für Trauernde ist die Welt zerbrochen, die sie kannten und letztlich kann die Reparatur der alten Welt auf Dauer nicht helfen. Eine ganz neue Sicht auf das Leben kann aufgehen und das merke ich daran, dass auf einmal ein Lächeln über das Gesicht meines Gegenübers huscht, das mitunter gar keine Worte hat. Seine Ausstrahlung wird anders.
Wenn das Alte zerbricht, kann eine tiefere Geborgenheit aufgehen, die selbst das Sterben tragen kann. Es braucht beim Therapeuten große Feinfühligkeit und eine Vertrautheit mit jener größeren Wirklichkeit, diesen Raum zu öffnen.
Volker Willrodt aus Schopfheim über innere Signale
Wie verbinden Sie Tiefenpsychologie und Medialität und warum ist das heute wichtig?
Wissenschaft und Spiritualität zu integrieren ist letztlich sehr einfach, denn sie beide sind zwei Seiten der Wirklichkeit. In der modernen Physik, besonders der Quantenphysik, weichen die Grenzen ohnehin auf. Mich hat einmal beeindruckt, was C.G. Jung sinngemäß über das Gehirn gesagt hat und damit dem einen wie dem anderen sein Recht gegeben hat.
Das Gehirn ist wie ein Radioempfänger mit all seinen Funktionen, die man erkennen, erforschen, reparieren kann. Aber es produziert nicht die Musik, die wir dank seines Lautsprechers hören. Aber ohne Radio kommt die Musik auch nicht bei uns an. Und wer psychologisch – also seelisch – in die Tiefe geht, berührt letztlich immer etwas, was sich kaum sagen lässt, nämlich das, was man gemeinhin Mystik nennt.
Wie geben Sie Menschen in unserer Region Halt und wie möchten Sie Ihr Angebot ausbauen?
Unsicherheit, Veränderungen oder Verluste sind inzwischen ein Phänomen, das eigentlich die ganze Welt betrifft. Aber mein Ort ist hier in Baden, mitten im Herzen der wunderschönen Altstadt von Schopfheim in einem ebenso alten Haus mit Jahrhunderten an Geschichte. Dort und nicht sonst wo sehe ich mich hingestellt, den Menschen hier einen Raum zu geben, durch all diese irritierenden und ängstigenden Gefühle hindurchzugehen, in sich also das Heilsame zu finden, das trägt.
Da wird das Leben zu einem Helden- und Heldinnenweg durch manch dramatische Bedrohungen hindurch, am Ende den Schatz zu finden, der ihm von Anfang an verheißen ist. Ich verstehe mich dabei als Wegbegleiter im unwegsamen Gelände. Worum es geht angesichts der nicht selten leidvollen Lebensgeschichte ist aber immer das Gleiche: „Werde du selbst in einem tiefen und eigentlichen Sinn.“
Was raten Sie jemandem, der sich verloren fühlt und wie erreicht man Sie?
„Ich möchte einen Weg finden …“. Dann werde erst einmal still, sehr still, denn der Weg ist längst in dir vorgezeichnet. Und anschließend schauen wir weiter und suchen ihn mit all dem, was ich als Techniken anzubieten habe: Kreativtherapie, Hypnose, EMDR, Quantenheilung, Gespräche, intuitive Leibtherapie, Mediales ….
Ohne Inspiration aber wird es nicht gelingen, das ist dann die mediale Komponente in der Therapie. So wie ein Künstler seine Werkzeuge nur sinnvoll verwendet, wenn er inspiriert ist, so auch der Therapeut. Insofern verstehe ich mich al Heilkünstler. Dessen Inspiration hilft, die Mittel in guter Weise zu verwenden. Inspiration (lateinisch inspiratio) meint: Beseelung, Einhauchen.
Wer sich darauf einlässt berührt die Seele des Gegenübers. Das ist dann heilsame Begegnung.
Über Volker Willrodt
Ich wurde 1957 in Wuppertal geboren, bin im Bergischen Land aufgewachsen, habe in Bonn und Marburg studiert und bin Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Seit über dreißig Jahren lebe ich nun im Südlichen Hochschwarzwald und arbeite in Schopfheim in meiner Praxis sowie als Trauerredner – und hin und wieder auch als Hochzeitsredner – in ganz Baden, vor allem im Süden des Landes.
Sinnvolle Wege haben mich hierhergeführt.
Sinnvoll sind letztlich alle Wege, die wir wandern. Man muss nur tief schauen und aufmerksam lauschen. Besuchen Sie mich gerne auf meiner Webseite.



